Potenzial nutzen!

Wie Vielfalt und Inklusion den Arbeitsalltag bereichern.

Vielfalt ist eine Stärke – auch im Berufsleben. Die NÖ Landes­gesundheitsagentur zeigt als eine der größten Gesundheitsorganisationen Österreichs mit rund 28.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie Inklusion im Arbeitsalltag erfolgreich gelebt werden kann. Rund 1.300 Beschäftigte zählen zum Kreis der begünstigt behinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das bedeutet, dass sie einen Feststellungsbescheid über einen Behinderungsgrad von 50 Prozent haben. Der Großteil davon hat keine angeborenen Einschränkungen, sondern diese sind im Laufe der beruflichen Tätigkeit entstanden. Eine moderne Arbeitswelt muss Rahmenbedingungen schaffen, in denen alle Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können, unabhängig von körperlichen oder gesundheitlichen Einschränkungen. Inklusion bedeutet für die NÖ Landesgesundheitsagentur, dass Arbeit so gestaltet wird, dass alle Menschen selbstverständlich teilhaben können und Potenziale bestmöglich genutzt werden. Dass davon nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Unternehmen profitieren, zeigen die Beispiele auf diesen Seiten.

 

DURCH ZUFALL

Christoph Steindl

ist Portier im Landesklinikum Horn.

Der 36-Jährige sitzt im Rollstuhl, leidet an einem offenen Rücken, medizinisch Spina bifida genannt, einer Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Nach Abschluss der Handelsschule war er lange auf Jobsuche, erinnert er sich an diese schwierige Zeit: „Ich habe nichts gefunden. Das AMS hat mir nichts vermittelt.“ Durch Zufall hat er erfahren, dass in Horn eine Portierstelle frei war, hat sich beworben, kam zum Vorstellungsgespräch und hat den Job bekommen. Fast fünf Jahre ist das nun her: „Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können“, sagt Christoph Steindl. Die Tätigkeit lässt sich mit dem Rollstuhl optimal vereinbaren, seine Hauptaufgabe ist die telefonische Vermittlung. Trotz Behinderung arbeitet er im „Radl“, also im Turnusdienst, macht auch Nachtdienste. „Das funktioniert wunderbar“, freut er sich, „ich will keine Sonderbehandlung. Ich fühle mich sehr wohl hier, das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen ist toll.“ Negative Erfahrungen hat er im Job noch keine gemacht – im Gegenteil: „Manchmal wird mir geholfen, bevor ich gefragt habe.“ Aufgrund seiner Einschränkung, die als 100-prozentige Behinderung gilt, hat er einige Vergünstigungen wie eine zusätzliche Woche Urlaub oder einen Gratisparkplatz vor dem Klinikum. Mehr will er auch nicht: „Ich nehme keine Medikamente, mir geht’s gut, ich fahre selber mit dem Auto.“

 

GUTES TEAM

Peter Schiller

ist Elektriker im Landesklinikum Baden-Mödling, Standort Baden.

Der 36-Jährige sitzt im Rollstuhl, leidet an einem offenen Rücken, medizinisch Spina bifida genannt, einer Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Nach Abschluss der Handelsschule war er lange auf Jobsuche, erinnert er sich an diese schwierige Zeit: „Ich habe nichts gefunden. Das AMS hat mir nichts vermittelt.“ Durch Zufall hat er erfahren, dass in Horn eine Portierstelle frei war, hat sich beworben, kam zum Vorstellungsgespräch und hat den Job bekommen. Fast fünf Jahre ist das nun her: „Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können“, sagt Christoph Steindl. Die Tätigkeit lässt sich mit dem Rollstuhl optimal vereinbaren, seine Hauptaufgabe ist die telefonische Vermittlung. Trotz Behinderung arbeitet er im „Radl“, also im Turnusdienst, macht auch Nachtdienste. „Das funktioniert wunderbar“, freut er sich, „ich will keine Sonderbehandlung. Ich fühle mich sehr wohl hier, das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen ist toll.“ Negative Erfahrungen hat er im Job noch keine gemacht – im Gegenteil: „Manchmal wird mir geholfen, bevor ich gefragt habe.“ Aufgrund seiner Einschränkung, die als 100-prozentige Behinderung gilt, hat er einige Vergünstigungen wie eine zusätzliche Woche Urlaub oder einen Gratisparkplatz vor dem Klinikum. Mehr will er auch nicht: „Ich nehme keine Medikamente, mir geht’s gut, ich fahre selber mit dem Auto.“

 

SEIT 1995

Sabine Figel

arbeitet im Sekretariat des Betriebsrats im Landesklinikum Mauer.

Sie leidet an angeborener Gelenksteife, hat zusätzlich im Erwachsenenalter Arthrose entwickelt und konnte sich schlussendlich nur noch mit großen Schmerzen fortbewegen. Zwei aufwändige Operationen am rechten Sprunggelenk brachten den gewünschten Erfolg. Allerdings war sie dadurch zweimal je 16 Wochen mit Liegegips zuhause und hätte diese Prozedur auch am linken Sprunggelenk durchführen müssen. Sie entschied sich dagegen und sitzt nun seit zwölf Jahren im Rollstuhl: „Mit Rollstuhl ist mein Radius viel größer geworden; davor konnte ich nur 50 Meter weit gehen.“ Die 49-Jährige absolvierte die Handelsschule und begann 1995 über den Verein „Jugend und Arbeit“ im Klinikum zu arbeiten, wo sie bis auf eine Karenzunterbrechung (2004 kam ihre Tochter zur Welt) seither tätig ist. Zu ihren Tätigkeiten zählen der Telefondienst, Beantworten von E-Mails und Anfragen, verwalterische Tätigkeiten und vieles mehr. Durch ihre 100-prozentige Behinderung ist sie eingeschränkt, kann die Knie nicht abbiegen und die Ellbogen nicht ausstrecken, was sie aber nicht als Problem empfindet: „Beim Schreiben habe ich die Arme sowieso angewinkelt. Mit der Maschine tu ich mir leichter als mit Hand.“ Ihren Job schätzt sie sehr: „Ich bin froh, dass ich hier bin – und will bis zur Pension bleiben.“ Auch Sabine Figels Tochter arbeitet im Landesklinikum Mauer, als Pflegefach­assistentin an einer Akutstation.

 

EIN PRIVILEG

David Weisz

arbeitet im Pflege- und Betreuungs-zentrum Wiener Neustadt.

Der 40-Jährige leidet an einer spastischen Lähmung auf der rechten Seite, verursacht durch einen Schlaganfall: „Ich bin bei der Geburt stecken geblieben. Der Druck war zu viel fürs Gehirn und hat einen Schlaganfall ausgelöst“, erzählt er. Die Lähmung zählt als 60-prozentige Einschränkung. Seit 2014 arbeitet der ausgebildete Bürokaufmann im Haus, kümmert sich um bürokaufmännische Tätigkeiten, scannt und ordnet Dokumente ein, befüllt die Homepage und vieles mehr. Seine Behinderung ist rein physischer Natur; als Kind war er in der Waldschule Wiener Neustadt, einer Sonderschule mit Internat, ist mit geistig behinderten Kindern aufgewachsen. Unterrichtet wurde er mit dem normalen Volksschul- und Hauptschul-Lehrplan. „Damals war Inklusion noch kein Thema“, sagt er. Seinen Job sieht er als absolutes Privileg: „Viele suchen und finden nichts, da sich viele Betriebe davor scheuen, einen behinderten Mitarbeiter einzustellen.“ Um mit Vorurteilen aufzuräumen, hält David Weisz auch Vorträge an der FH Eisenstadt. „Die Menschen haben nur zwei Bilder von Behinderung im Kopf – entweder geistig behindert oder im Rollstuhl. Es gibt aber ganz viel dazwischen.“ David Weisz war auch Behindertenbeauftragter der Stadt Wiener Neustadt und spielt Kabarett.


Text: Karin Schrammel⎪Fotos: Beigestellt

 

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