Ein Haus, das verbindet
Aus einem leerstehenden Bungalow im Zentrum von Fels am Wagram (Bezirk Tulln) ist ein lebendiger Treffpunkt geworden. Dahinter stehen Engagement, Ehrenamt und der Wunsch nach mehr Miteinander.
(v.l.) Bürgermeister Mag. Hannes Zimmermann, Sabine Felleitner, Sabine Treml, regionale Gesundheitskoordinatorin & Arbeitskreisleiterin „Gesunde Gemeinde“, und Elisabeth Mauschitz empfangen Bürgerinnen und Bürger im Haus des Miteinanders
Alles begann mit einem kleinen, unscheinbaren Bungalow hinter dem Gemeindeamt von Fels am Wagram. Jahrelang stand das Häuschen leer, zuvor war es unter anderem als Kindertagesbetreuungsstätte genutzt worden. Die Frage, was mit dem Gebäude geschehen sollte, stellte sich irgendwann zwangsläufig. Statt es erneut zu vermieten oder einer Einzelinteressensnutzung zuzuführen, entschied sich die Marktgemeinde für einen anderen Weg: einen Ort für möglichst viele Menschen zu schaffen.
„Der Grundgedanke war, dieses nicht genutzte Haus einer breiten, allgemeinen Nutzung zuzuführen und zu schauen, dass möglichst vielfältige Angebote entstehen“, erklärt Bürgermeister Mag. Hannes Zimmermann. Gemeinsam mit engagierten Gemeindemitgliedern nahm die Idee Gestalt an.
Ideen aus der Gemeinde
Im Mai 2025 wurden alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, ihre Vorstellungen einzubringen. In zwei moderierten Workshops unter der Leitung von Monika Heindl von der NÖ Dorf- und Stadterneuerung sammelte man Ideen, entwickelte Konzepte und konkretisierte Nutzungsmöglichkeiten. Rasch zeigte sich: Der Wunsch nach einem Ort für Begegnung, Austausch und Gesundheitsförderung war groß.
„Anfangs ging es um gesundheitsbezogene Nutzung, im Prozess hat sich das dann klar in Richtung gesundheitsförderlich entwickelt“, sagt Sabine Treml, regionale Gesundheitskoordinatorin der „Gesunden Gemeinde“ Fels am Wagram. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen plante sie Einrichtung, Ausstattung und Programm. Vieles wurde wiederverwendet, anderes kostengünstig neu angeschafft – alles mit Blick auf Funktionalität und Offenheit.
Das „Haus des Miteinanders“
So entstand das „Haus des Miteinanders“, dessen Name heute Programm ist. Bereits im Eingangsbereich begrüßt ein großes, buntes Willkommensbild die Besucherinnen und Besucher - gestaltet beim Monatsmarkt der „Gesunden Gemeinde“ im September 2025 gemeinsam von Jung und Alt. Die feierliche Eröffnung folgte am 27. September mit einem gut besuchten Tag der offenen Tür. Seither ist das Haus fast durchgehend genutzt. Ein klassisches „offenes Haus“ mit fixen Öffnungszeiten ist es bewusst nicht. „Es ist immer dann offen, wenn eine Aktivität stattfindet“, erklärt Treml. Wer regelmäßig Angebote abhält, erhält einen Schlüssel über das Gemeindeamt, Einzeltermine werden unkompliziert koordiniert. Niederschwelligkeit und Vertrauen stehen im Vordergrund.
Begegnung statt Einsamkeit
Das Angebot ist bunt gemischt und generationsübergreifend. Beim Büchertratsch, bei Plauderstunden oder im Elterncafé geht es vor allem um eines: miteinander reden. „Wir haben kein Wirtshaus, kein Kaffeehaus mehr im Ort. Das Haus schafft einen Raum, in dem man sich trotzdem treffen und austauschen kann“, so Treml. Auch Menschen, die sonst weniger Anschluss haben, sollen angesprochen werden. Die Plauderstunden etwa sind bewusst offen gehalten – ohne Themenvorgaben. „Man kann über alles reden, was einem auf der Seele liegt“, sagt Treml. Ergänzend gibt es Eltern-Kind-Angebote wie die „Mini-Mäuse“ für Kinder von null bis drei Jahren.
Bewegung, Entspannung und Herz
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Bewegung und mentaler Gesundheit. Sesselgymnastik und Gedächtnistraining für Seniorinnen und Senioren, Bewegungsangebote für Kinder, Yoga für Erwachsene oder das HerzKreis-Training für ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen füllen den Wochenkalender. Dazu kommen Klangreisen, Meditationen und Entspannungsrunden. Besonders geschätzt wird auch der Stammtisch „HERZ & WISSEN“ für pflegende Angehörige. In Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten verschiedener Gesundheitsberufe werden regelmäßig Inputs gegeben und Erfahrungen ausgetauscht. „Diese gegenseitige Unterstützung ist für Betroffene enorm wertvoll“, betont Treml.
Ehrenamt als tragende Säule
Nahezu alle Angebote im Haus des Miteinanders werden ehrenamtlich gestaltet. Auch die Einrichtung wurde von Freiwilligen aufgebaut. Bürgermeister Zimmermann zeigt sich beeindruckt: „Die Damen sind unglaublich aktiv. Der Kalender ist kaum mehr leer – und laufend kommen neue Angebote dazu.“ Um den Zugang möglichst niedrigschwellig zu halten, war die Nutzung des Hauses im Wintersemester 2025/26 kostenlos. Seit Februar 2026 gilt für private oder kostenpflichtige Veranstaltungen eine moderate Raummiete von fünf Euro pro angefangener Stunde. Gemeinnützige und ehrenamtliche Angebote bleiben weiterhin kostenlos.
Ort mit Zukunft
Auch wenn das Gebäude baulich nicht barrierefrei ist, wird flexibel reagiert: Einzelne Angebote finden bei Bedarf im gegenüberliegenden Gemeindeamt statt. Das Ziel bleibt klar: einen Ort zu schaffen, an dem man lieber gemeinsam als einsam ist.
„Das Haus des Miteinanders zeigt, was möglich ist, wenn Gemeinde, Ehrenamt und Engagement zusammenkommen“, sagt Bürgermeister Zimmermann. Und Sabine Treml ergänzt: „Es ist schön zu sehen, wie aus einer Idee ein lebendiger Treffpunkt geworden ist – und wie gut er von den Menschen angenommen wird.“
Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: Barbara Nidetzky