Ein Spiel, das verbindet

Mitten in Lunz am See entwickelt sich eine Boule-Anlage zum täglichen Treffpunkt. Das französische Pendant zu Boccia begeistert alle Generationen.

Zwischen Bergen, Wiesen und dem bekannten See gibt es mitten in Lunz auch etwas, das man dort nicht vermuten würde: Etwas oberhalb der sogenannten Schulwiese befinden sich nämlich zwei Boule-Anlagen. Das französische Pendant zum Kugelspiel Boccia lockt seit drei Jahren jeden Tag eine große Gruppe an Lunzerinnen und Lunzern zum sogenannten Generationentreffpunkt.

Eduard Leichtfried ist der Initiator des Generationentreffpunkts – und damit auch der Boule-Anlage in Lunz. Er ist Obmann des örtlichen Dorferneuerungsvereins und ehemaliger Umweltgemeinderat und tüftelt vor drei Jahren gemeinsam mit Sportwissenschafter Christian Paumann, Bewegungsexperte bei „Tut gut!“, an einem Plan für den Bereich rund um die Schulwiese. In Deutschland entdeckt Leichtfried dann zum ersten Mal das Boule-Spiel. Es spricht ihn sofort an: Gespielt wird in zwei Teams, jeder Spieler bzw. jede Spielerin hat eine gewisse Anzahl an Metallkugeln, die möglichst nahe an die Zielkugel, das sogenannte Schweinchen, geworfen werden. Ist die eigene Kugel näher an der Zielkugel als die gegnerische, bekommt man einen Punkt. Jenes Team, das zuerst 13 Punkte erreicht hat, gewinnt. Für Leichtfried und Paumann ist schnell klar: Boule soll es künftig auch in Lunz geben. „2018 entstand in Lunz im Rahmen der ,Gesunden Gemeinde‘ der ,Tut gut!‘-Schritteweg. Der jetzige Generationentreffpunkt liegt genau auf dem Weg und so ist die Idee entstanden, hier eine Fitnessstation zu errichten. Nach einem Treffen mit Eduard Leichtfried haben wir die Boule-Anlage geplant und Infotafeln entworfen“, erzählt Paumann. Vor drei Jahren wird dann schließlich der Generationentreffpunkt errichtet. Zur bestehenden Laufbahn und dem Volleyballplatz kommen die Calisthenics-Anlage, die BMX-Pumptrack-Strecke, die Slackline und die Boule-Anlage dazu. Der Andrang ist so groß, dass ein Jahr später eine zweite Boule-Bahn entsteht. Seither wird jeden Tag gespielt – im Sommer wie im Winter. Erich Paumann und Hans Pumhösl, begeisterte Boule-Spieler der ersten Stunde, sind die treibenden Kräfte, wenn es um den Zusammenhalt der Gruppe geht. Von Beginn an haben sie jemanden an ihrer Seite, der das Spiel von klein auf kennt: Jean-Pierre kommt ursprünglich aus Frankreich und lebt mittlerweile seit 14 Jahren in Lunz. In Frankreich hat Boule – auch Pétanque genannt – eine lange Tradition. Das Kugelspiel entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in der Provence. Heute ist Boule sehr beliebt in Frankreich und gehört fest zur Alltagskultur. In Parks oder am Strand wird Boule ebenso gespielt wie in zahlreichen Vereinen und bei Turnieren. Als Jean-Pierre erfährt, dass es auch in seiner Wahlheimat eine Boule-Anlage geben wird, ist das für ihn eine „nette Überraschung“. Er gesellt sich rasch zu den restlichen Interessierten und bringt ihnen das Spiel bei.

 

Mag. Christian Paumann, BSc, MSc, Bewegungsexperte bei „Tut gut!“

 

„Fein- und Grobmotorik werden gefördert und die Muskeln gefordert.“

Gefühl der Zugehörigkeit

Nach und nach treffen weitere Boule-Spielerinnen und -Spieler ein. Gut gelaunt begrüßen sie sich. Sofort werden die Kugeln in die Hand genommen und gespielt. Die kleinen Metallkugeln werden selbst mitgebracht; sie können in den Gasthäusern vor Ort ausgeliehen werden. Zum harten Kern gehören zirka gleich viele Männer wie Frauen – insgesamt rund 30 Menschen. Die meisten sind im Ruhestand und genießen das gesellige Beisammensein. Der Name Generationentreffpunkt ist in Lunz Programm: Häufig gesellen sich auch Kinder dazu. Das Spiel eignet sich für Alt und Jung: „Auch Kinder lernen schnell, wie man Boule spielt und haben dadurch rasch ein Erfolgserlebnis. Boule fördert die soziale Kompetenz, sorgt für ein Gefühl der Zugehörigkeit und steigert das Selbstwertgefühl. Die Möglichkeit, die Freizeit aktiv mit einer Gruppe Gleichaltriger zu verbringen, die ähnliche Hobbys und oft ähnliche gesundheitliche Probleme haben, trägt dazu bei, dass sich ältere Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch deutlich besser fühlen“, sagt Christian Paumann. Und auch auf den Körper wirkt sich das Spiel positiv aus: Durch das Schwingen der Arme, das Halten des Gleichgewichts, das Greifen und Halten sowie Zielen der Metallkugeln werden die Fein- und Grobmotorik gefördert und die Muskeln gefordert. Außerdem werden die Schultern beim Boule-Spiel mobilisiert. Zu der Lunzer Truppe gesellen sich nicht nur regelmäßig die Kinder des Ortes, sondern auch Touristinnen und Touristen. Wer in welchem Team spielt, wird ausgelost. In einem ist sich der harte Kern einig: „Die Frauen sind beim Boule viel ehrgeiziger – und meistens auch besser als wir Männer. Wir haben es meistens einfach recht lustig.“


Boule – DAS SPIEL

Boule, auch Pétanque genannt, ist ein französisches Kugelspiel und ähnelt Boccia. Gespielt wird einzeln oder in Teams mit Metallkugeln und einer kleinen Zielkugel, dem sogenannten Schweinchen (Cochonnet).

Zuerst wird die Zielkugel einige Meter weit geworfen. Danach versuchen die Spielerinnen und Spieler, ihre Kugeln möglichst nahe an der Zielkugel zu platzieren. Jenes Team darf weiterspielen, dessen Kugel weiter vom Schweinchen entfernt liegt. Dabei können die Kugeln nicht nur gezielt platziert, sondern auch gegnerische Kugeln weggeschossen werden. Punkte gibt es am Ende einer Runde nur für jenes Team, dessen Kugeln näher am Schweinchen liegen als die beste Kugel des Gegners. Gewonnen hat jenes Team, das zuerst 13 Punkte erreicht.


Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Fotos: Daniela Führer, iStock_ juliawhite, Philipp Monihart

 

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