Frauen fühlen sich oft nicht ernst genommen

Frauen und Männer erleben das österreichische Gesundheitssystem unterschiedlich. Während 56 Prozent der Männer damit (sehr) zufrieden sind, sind es bei den Frauen nur 41 Prozent. Frauen berichten außerdem häufiger von psychischer Belastung und negativen Erfahrungen bei ärztlichen Behandlungen. Das zeigt der Austrian Health Report 2026, eine repräsentative Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag von Sandoz.

Frauen sind stärker belastet

Nur 26 Prozent der Frauen bewerten ihre psychische Gesundheit als sehr gut, bei Männern sind es 32 Prozent. Auch chronische Erkrankungen sind bei Frauen etwas häufiger (48 Prozent) als bei Männern (45 Prozent). Zusätzlich übernehmen Frauen häufiger die Organisation von Gesundheit und Pflege in der Familie. 67 Prozent der Frauen mit Partner kümmern sich um Arzttermine und Vorsorgeuntersuchungen, bei Männern mit Partnerin sind es 44 Prozent. Ist jemand im Haushalt krank oder verletzt, übernehmen 58 Prozent der Frauen überwiegend die Versorgung – hingegen nur 21 Prozent der Männer. Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP), betont, dass diese Mehrfachbelastung die psychische Gesundheit von Frauen beeinträchtigt. Geschlechterspezifische Unterschiede müssten daher in Forschung und Versorgung stärker berücksichtigt werden.

 

(v.l.) Thomas Czypionka (IHS), Eva Zeglovits (IFES), Barbara Haid (ÖBVP) und Marco Pucci (Sandoz)

Schmerzen werden häufig nicht ernst genommen

44 Prozent der Frauen geben an, dass ihre Schmerzen zumindest gelegentlich nicht ernst genommen wurden. Bei Männern sind es 23 Prozent. Zudem hatten 36 Prozent der Frauen das Gefühl, ihre Beschwerden seien als psychisch oder psychosomatisch abgetan worden. Bei Männern berichten 15 Prozent von solchen Erfahrungen. Nur 46 Prozent der Frauen sind überzeugt, dass Ärztinnen und Ärzte Geschlechterunterschiede bei der Behandlung berücksichtigen. Bei Männern sind es 63 Prozent. Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) sieht darin Handlungsbedarf, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern und die Bedürfnisse aller Menschen besser zu berücksichtigen.

 

Wissenslücken bei Krankheiten und Medikamenten

Auch das Wissen über geschlechterspezifische Unterschiede ist ausbaufähig. Unterschiede bei Depressionssymptomen kennen 53 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer. Bei AD(H)S und Autismus sind die Wissenslücken noch größer: Nur 44 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer kennen geschlechterspezifische Unterschiede bei AD(H)S. Bei Autismus sind es 37 beziehungsweise 22 Prozent. Digitale Anwendungen können helfen, Gesundheitswissen zu vermitteln. Allerdings nutzen viele Menschen auch Künstliche Intelligenz (KI) für Gesundheitsfragen. Von den Personen, die mindestens monatlich KI verwenden, greifen 69 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer zumindest gelegentlich bei Gesundheitsthemen darauf zurück.

 

Zwei-Klassen-Medizin

Für 88 Prozent der Bevölkerung ist die Medikamentenproduktion in Österreich wichtig. 89 Prozent sprechen sich dafür aus, dass heimische Krankenkassen in Europa produzierte Medikamente bevorzugen sollen. Auch die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem ist groß: 57 Prozent kritisieren zu lange Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen. 82 Prozent sind der Meinung, dass Menschen mit ausreichend finanziellen Mitteln schneller behandelt werden. Ebenso viele lehnen Einsparungen in der Gesundheitsversorgung ab. Der diesjährige Austrian Health Report zeigt: Frauen müssen in der medizinischen Versorgung ernster genommen, geschlechterspezifische Unterschiede stärker berücksichtigt und die Versorgungssicherheit langfristig gestärkt werden.


Foto: Austrian Health Report

 

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