Frucht trifft Glas
Die Geschwister Viktoria und Maximilian Preiß führen ihren Familienbetrieb im Traisental mit frischen Ideen weiter – sie im Weinbau, er bei den Fruchtsäften.
Kennen Sie die Ananasrenette? Oder haben Sie zumindest schon einmal von ihr gehört? Und wie sieht es mit Baya Marisa aus? Wenn Sie jetzt zögern, sind Sie in guter Gesellschaft, denn die beiden Apfelsorten sind hierzulande kaum jemandem geläufig. Und was in der Welt der Weine längst Kultstatus hat – das Wissen um Sorten, Herkunft und Geschmack –, steckt bei Fruchtsäften noch in den Kinderschuhen.
Im Traisental, dort, wo sich sanfte Hügel, kalkreiche Böden und die namensgebende Traisen durch die Landschaft ziehen, liegt die Frucht- und Weinkultur Preiß, deren Wurzeln bereits ins Jahr 1913 zurückreichen. Dass aus einem kleinen Bauernhof einmal ein spezialisierter Betrieb für Wein und hochwertige Fruchtsäfte werden würde, war damals nicht absehbar. Doch die Region gab die Richtung vor. Während in der Wachau der Fokus immer schon klar auf Wein lag, bot das Traisental Raum für eine gemischte Landwirtschaft. Wo früher Ackerflächen waren, wuchsen nach und nach Apfelgärten. Weingärten kamen dazu, wurden gepachtet, erweitert. Generation für Generation entwickelte sich der Familienbetrieb weiter. Heute führen die 34-jährige Viktoria Preiß und ihr neun Jahre jüngerer Bruder Maximilian den Hof in fünfter Generation.
Eigene Handschrift
Die Aufgaben sind klar verteilt, auch wenn die Grenzen im Alltag fließend bleiben: Viktoria verantwortet den Weinbau, Maximilian kümmert sich um den Obstbau und die Säfte. „Wir arbeiten eng zusammen, aber jeder hat seinen Bereich und kann seine eigene Handschrift einfließen lassen“, sagt Viktoria Preiß. Dass diese Handschrift heute deutlich sichtbar ist, hat auch mit einer Entscheidung zu tun, die den Betrieb nachhaltig verändert hat: der Umstellung auf biologische Bewirtschaftung. Gemeinsam mit ihrem Partner Klaus Wiebogen hat Viktoria Preiß die Bio-Zertifizierung angestoßen und schließlich umgesetzt. Bio bedeutet ein anderes Verständnis von Arbeit, erklärt sie: „Mehr Handarbeit, mehr Beobachtung, mehr Risiko. Aber auch mehr Nähe zum Produkt. Man ist viel stärker gezwungen, sich mit dem natürlichen Kreislauf auseinanderzusetzen.“ Parallel dazu wurde auch das Erscheinungsbild des Betriebs neu gedacht. Auf dem Logo werden nun die Besonderheiten des Traisentals ersichtlich: die geologischen Schichten, die sogenannten Konglomerate mit ihren fossilen Einschlüssen, erinnern daran, dass jeder Wein des Betriebs aus genau diesem Boden entsteht.
Viktoria und Maximilian Preiß führen gemeinsam den Hof.
Eine Frau im Weinbau
Der Einstieg in den Familienbetrieb war ein stetiger Prozess, erzählt Viktoria Preiß: „So etwas geht nie von heute auf morgen. Die ältere Generation bleibt präsent, Wissen wird weitergegeben und manchmal auch verteidigt. Es ist ein langsames Hineinwachsen und verlangt Geduld.“ Dass sie sich als junge Winzerin in einer nach wie vor männlich geprägten Branche behaupten muss, sieht Viktoria pragmatisch: „Man muss sich die Arbeit einfach anders einteilen und auf mehr Effizienz anstatt nur auf Muskelarbeit setzen.“ Gleichzeitig verändert sich auch das Bild des Berufs. Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung und bringen neue Perspektiven ein. Viktoria gehört zu jener Generation, die Traditionen nicht infrage stellt, sondern weiterentwickelt. Dazu zählt auch eine Neuerung im Produktsortiment. Denn heute wünschen sich viele Menschen alkoholfreie Alternativen. „Besonders in der Gastronomie ist die Nachfrage da und wächst. Alkoholfreie Getränke sind mittlerweile ein fester Bestandteil der modernen Genusskultur“, weiß Viktoria Preiß. Rosella ist ihre Antwort darauf: Ein prickelndes Getränk auf Basis von biologisch angebauten Muskateller-Trauben, verfeinert mit Blütentee. Serviert wird Rosella im Weinglas: „Uns war wichtig, dass es nicht wie ein Kompromiss wirkt“, sagt die junge Winzerin. Die Resonanz ist groß. Seit der Einführung im vergangenen November findet das Produkt schnell seinen Platz in Restaurants, bei Veranstaltungen, aber auch im privaten Genuss. Besonders Frauen greifen häufig zu, erzählt Viktoria, aber auch Menschen, die bewusst weniger Alkohol trinken oder ganz darauf verzichten möchten. Und dann gibt es jene Lebensphasen, in denen der Verzicht eine Selbstverständlichkeit ist – etwa in der Schwangerschaft. „Da merkt man erst, wie eingeschränkt das Angebot oft ist“, sagt sie und lächelt. Für sie selbst bekommt das Thema gerade eine persönliche Dimension, denn in wenigen Monaten kommt ihr erstes Kind zur Welt. Mit der bevorstehenden Geburt wird sich ihr Alltag verändern. Was ihr dabei hilft, ist die Struktur im Betrieb. Die klare Aufteilung zwischen ihr und ihrem Bruder schafft Freiräume, ohne dabei den Zusammenhalt zu verlieren. Auch ihr Partner steht hinter diesem Weg, unterstützt, wo es möglich ist.
Ananasrenette, Baya Marisa usw.: Jede Apfelsorte wird getrennt verarbeitet.
Mehr als Apfelsaft
Wer durch die Obstgärten der Familie Preiß schlendert, erkennt schnell, dass hier nicht nur der Apfel per se im Mittelpunkt steht, sondern viel mehr Vielfalt und Nuancen. „Ananasrenette, Grand Prince oder Jonagold sind völlig unterschiedliche Geschmackswelten“, weiß Maximilian Preiß. Während im Supermarkt Apfelsaft oft als austauschbares Produkt wahrgenommen wird, setzt der Betrieb seit Jahrzehnten auf reinsortige Verarbeitung. Bereits sein Vater begann vor mehr als 30 Jahren damit, die einzelnen Apfelsorten getrennt zu verarbeiten, erzählt Maximilian. Möglich wird das durch den strukturierten Anbau: Jede Sorte wächst in eigenen Anlagen, wird separat geerntet und verarbeitet. „Das ist aufwendig, aber nur so kann man zeigen, wie unterschiedlich ein Apfel wirklich schmeckt.“ Tatsächlich erinnert vieles an die Welt des Weins. Lage, Boden und Klima beeinflussen auch hier das Ergebnis. Doch während beim Wein oft stundenlang über Herkunft und Ausbau gesprochen wird, wird Saft selten so differenziert betrachtet. „Dabei ist es genau dasselbe Prinzip“, sagt Maximilian Preiß. „Nur dass man es den Leuten erst erklären muss.“
Vom Baum ins Glas
Ohne Alkohol: Rosella, ein prickelndes Getränk aus Muskateller-Trauben, wird im Weinglas serviert.
Die Dimensionen sind beachtlich: 400 bis 500 Tonnen Äpfel werden jährlich geerntet. Rund 80 Prozent davon gehen in den Frischverkauf, vor allem in den regionalen Handel. Jeder einzelne Apfel wird dabei händisch gepflückt – ein Aufwand, der sich lohnt, denn die empfindliche Schale würde maschinelle Ernte nicht verzeihen. Was nicht den strengen Kriterien für den Frischmarkt entspricht, wird zu Saft verarbeitet. Doch auch hier gelten hohe Ansprüche: Fallobst kommt nicht zum Einsatz. „Wir verwenden nur frisch gepflückte Ware“, betont Maximilian. Im Verarbeitungsprozess wird jeder Apfel einzeln erfasst, vermessen und sortiert. Kameras bestimmen Größe und Farbe, Förderbänder leiten die Früchte weiter. In der Erntezeit arbeiten bis zu 15 Personen gleichzeitig, oft bis in die Nacht. Und es lohnt sich: Denn wer einmal den Unterschied zwischen den Sorten geschmeckt hat, sieht Apfelsaft mit anderen Augen.
Verwurzelt im Traisental
Das Traisental steht selten im Rampenlicht wie andere Weinbaugebiete. Und gerade darin liegt seine Stärke. Die Bedingungen sind vielfältig, die Böden charakterstark und die Möglichkeiten groß. Was den Familienbetrieb Preiß besonders macht, ist nicht nur das, was produziert wird, sondern auch, wie darüber gedacht wird. Entscheidungen entstehen nicht isoliert, sondern im Austausch zwischen Geschwistern, Partnern und Generationen. Und vielleicht auch mit der nächsten, die gerade erst beginnt.
Kleine Beeren, große Wirkung
Trauben sind nicht nur süß und saftig, sondern auch echte Gesundheitsbooster:
ZELLSCHUTZ: Beeren sind reich an Antioxidantien wie Resveratrol, das die Zellen vor freien Radikalen schützt.
HERZGESUNDHEIT: Sie können die Gefäße unterstützen und zur Senkung des Blutdrucks beitragen.
SCHNELLE ENERGIE: Natürlicher Fruchtzucker liefert rasch verfügbare Energie.
VERDAUUNG: Ballaststoffe fördern eine gesunde Darmtätigkeit.
IMMUNSYSTEM: Enthalten Vitamin C und wichtige sekundäre Pflanzenstoffe.
TIPP: Dunkle Trauben enthalten besonders viele wertvolle Antioxidantien.
One apple a day keeps the doctor away
Der bekannte Satz hat einen wahren Kern. Äpfel zählen zu den nährstoffreichsten heimischen Früchten und unterstützen die Gesundheit auf vielfältige Weise.
GUT FÜR DAS HERZ: Äpfel enthalten lösliche Ballaststoffe wie Pektin, die helfen können, den Cholesterinspiegel zu senken.
STABILE VERDAUUNG: Die Kombination aus Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen fördert eine gesunde Darmflora.
NATÜRLICHER ZELLSCHUTZ: Antioxidantien wie Polyphenole schützen die Zellen vor oxidativem Stress.
SANFTE ENERGIEQUELLE: Der natürliche Fruchtzucker liefert rasch Energie, ohne den Blutzucker stark schwanken zu lassen.
UNTERSTÜTZUNG FÜRS IMMUNSYSTEM: Vitamine, vor allem Vitamin C, stärken die Abwehrkräfte.
KALORIENARM UND SÄTTIGEND: Äpfel bestehen zu rund 85 Prozent aus Wasser und sind ideal für eine bewusste Ernährung.
TIPP: Am besten ungeschält genießen – in der Schale stecken besonders viele wertvolle Inhaltsstoffe.
Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: Barbara Nidetzky, istock_milorad kravic