Gesund auf Reisen
Sonne, Strand und neue Eindrücke – Reisen erweitert den Horizont. Damit Sie Ihren Urlaub unbeschwert genießen können, sollten aber auch Gesundheit, Sonnenschutz und Impfstatus gut vorbereitet sein.
Die Koffer sind gepackt, die Vorfreude ist groß und gedanklich liegen Sie vielleicht schon mit Ihrer Familie am Strand oder sitzen auf einer sonnigen Almhütte. Doch kaum hat der Urlaub begonnen, meldet sich der Magen mit lautem Protest, die Haut spannt nach einem zu langen Tag in der Sonne oder der neue Wanderschuh entpuppt sich als erbarmungsloser Blasenproduzent. Solche Urlaubsdramen kennen viele Reisende. Gerade weil wir im Urlaub mehr draußen sind, ungewohnte Speisen probieren, längere Strecken gehen oder ein anderes Klima erleben, reagiert der Körper manchmal empfindlich.
Die gute Nachricht: Die meisten gesundheitlichen Probleme lassen sich mit etwas Vorbereitung vermeiden oder zumindest gut in den Griff bekommen. Wer sich rechtzeitig über sein Urlaubsziel informiert, eine durchdachte Reiseapotheke zusammenstellt und an Sonnenschutz sowie notwendige Impfungen denkt, schafft die besten Voraussetzungen für entspannte Ferientage.
Gut vorbereitet starten
Beginnen wir beim ersten Schritt und damit noch vor dem eigentlichen Urlaub: Eine gute Reiseplanung bedeutet längst nicht nur Hotels zu vergleichen und Ausflüge zu buchen, sondern auch an die gesundheitlichen Aspekte zu denken. Je nach Reiseziel unterscheiden sich Klima, hygienische Bedingungen und medizinische Versorgung zum Teil erheblich. Während man in vielen europäischen Ländern eine medizinische Infrastruktur auf ähnlich hohem Niveau wie in Österreich findet, kann die Situation in anderen Regionen ganz anders aussehen. Gerade bei Fernreisen lohnt es sich daher, vorab Informationen einzuholen: Wie gut ist die medizinische Versorgung vor Ort? Gibt es Apotheken in erreichbarer Nähe? Welche klimatischen Bedingungen erwarten mich? Hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung oder eine hohe Luftfeuchtigkeit können den Körper stärker belasten, als man denkt.
Ein weiterer Punkt, der gerne vergessen wird: der Versicherungsschutz. Innerhalb Europas deckt die europäische Krankenversicherungskarte viele medizinische Leistungen ab. Außerhalb Europas kann ein Arztbesuch jedoch teuer werden. Eine private Reisekrankenversicherung mit Rücktransport ist daher für Fernreisen empfehlenswert.
Kleine Helfer im Gepäck
Doch selbst bei sorgfältiger Planung lassen sich kleine gesundheitliche Zwischenfälle im Urlaub nicht immer vermeiden. Genau hier kommt ein oft unterschätzter Reisebegleiter ins Spiel: „Die meisten gesundheitlichen Probleme lassen sich mit einer gut zusammengestellten Reiseapotheke rasch selbst behandeln“, erklärt Mag. pharm. Raimund Podroschko, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. Zur Grundausstattung gehören zunächst klassische Schmerz- und Fiebermittel, etwa gegen Kopf-, Zahn- oder Gliederschmerzen. Auch Mittel gegen Durchfall, Verstopfung und (Reise-)Übelkeit sollten im Gepäck nicht fehlen. Ergänzend empfiehlt der Experte ein Präparat gegen allergische Reaktionen, etwa bei Insektenstichen oder ungewohnten Nahrungsmitteln.
Ebenso wichtig ist eine kleine Wundversorgung. Desinfektionsmittel, Pflaster in verschiedenen Größen, sterile Kompressen, elastische Binden und eine Wundsalbe gehören daher unbedingt in jede Reiseapotheke. Gerade bei Aktivurlauben kommt es schnell zu kleinen Verletzungen oder Schürfwunden, die sich so unkompliziert versorgen lassen. Auch Blasenpflaster sind ein Klassiker im Reisegepäck, denn nichts kann einen Wandertag schneller ruinieren als eine schmerzhafte Blase am Fuß. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von hilfreichen Ergänzungen, die oft erst dann auffallen, wenn sie fehlen: ein Fieberthermometer, eine kleine Schere, eine Pinzette zum Entfernen von Splittern oder Zecken sowie ein Kühlgel gegen Prellungen und Verstauchungen. Wer empfindlich auf Erkältungen reagiert, kann auch Nasenspray, Halsschmerztabletten oder Hustenmittel einpacken – Klimaanlagen in Flugzeugen, Hotels oder Mietautos sorgen schließlich nicht selten für gereizte Schleimhäute.
Bei Reisen in warme oder tropische Regionen sind zusätzlich Präparate gegen Insektenstiche, ein wirksames Insektenschutzmittel sowie eine Salbe gegen Juckreiz oder Hautreizungen sinnvoll. Auch ein Mittel gegen Sonnenbrand oder leichte Hautentzündungen kann hilfreich sein. Elektrolytpulver gehört ebenfalls zu den sinnvollen Begleitern. „Gerade bei Durchfallerkrankungen ist es wichtig, verlorene Flüssigkeit und Mineralstoffe rasch zu ersetzen“, so Podroschko.
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte immer ausreichend Vorrat einpacken – am besten für einige Tage länger als geplant. Außerdem empfiehlt der Pharmazeut, wichtige Medikamente getrennt aufzubewahren, etwa einen Teil im Handgepäck und einen Teil im Koffer. So ist man auch bei Gepäckverlust abgesichert. Bei bestimmten Präparaten, etwa Insulin oder starken Schmerzmitteln, kann zusätzlich eine ärztliche Bestätigung sinnvoll sein, insbesondere bei Flugreisen.
Nicht zuletzt spielt auch die richtige Lagerung eine Rolle. Viele Arzneimittel vertragen keine hohen Temperaturen. „Gerade im Sommer oder in tropischen Regionen kann Hitze ihre Wirksamkeit beeinträchtigen“, warnt Podroschko. Deshalb sollten Medikamente möglichst kühl und trocken aufbewahrt werden – etwa in einer kleinen isolierten Tasche. Am Urlaubsort angekommen, sollten die Arzneimittel schließlich in einem dunklen, trockenen Kleiderschrank deponiert werden.
Sonne genießen, aber richtig
Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Reiseapotheke ist ein guter Sonnenschutz, denn gerade im Urlaub unterschätzen viele die Intensität der UV-Strahlung. Am Strand, beim Wandern oder auf Städtereisen ist unsere Haut oft stundenlang der Sonne ausgesetzt – häufig deutlich länger als im Alltag. „Um den richtigen Sonnenschutz auszuwählen, ist es zunächst wichtig, den eigenen Hauttyp zu kennen“, erklärt die Dermatologin Dr. Tamara Kopp. Menschen mit sehr heller Haut, Sommersprossen und rötlichen oder blonden Haaren haben meist einen besonders geringen Eigenschutz. Ihre Haut kann schon nach wenigen Minuten in der Sonne reagieren. Dunklere Hauttypen verfügen zwar über mehr körpereigenes Melanin, das als natürlicher Schutzfilter dient, sind jedoch keineswegs immun gegen UV-Schäden.
Dr. Tamara Kopp, Dermatologin
„Nur Produkte mit dem UVA-Symbol im Kreis schützen zusätzlich vor den langwelligen UVA-Strahlen, die tiefer in die Haut eindringen und langfristig Hautalterung und Hautkrebs fördern können.“
Die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt daher eine gute Sonnencreme. Der Lichtschutzfaktor (LSF) verlängert die Zeit, in der man sich in der Sonne aufhalten kann. Wichtig ist dabei nicht nur der Faktor selbst, sondern auch der Schutz vor verschiedenen Strahlungsarten. „Nur Produkte mit dem UVA-Symbol im Kreis schützen zusätzlich vor den langwelligen UVA-Strahlen, die tiefer in die Haut eindringen und langfristig Hautalterung und Hautkrebs fördern können“, erklärt Kopp. Ebenso entscheidend ist die richtige Menge. „Die meisten Menschen verwenden Sonnencreme viel zu sparsam“, sagt die Dermatologin. Für den gesamten Körper eines Erwachsenen benötigt man etwa drei bis vier Esslöffel des Produkts. Außerdem sollte der Schutz regelmäßig erneuert werden, besonders nach dem Schwimmen, starkem Schwitzen oder Abtrocknen.
Neben Sonnencreme spielen auch Kleidung und Verhalten eine wichtige Rolle. Ein breitkrempiger Hut, eine Sonnenbrille mit UV-Schutz und leichte, luftige Kleidung können die Haut zusätzlich schützen. Und: Besonders in der Mittagszeit zwischen
11 und 15 Uhr ist es am besten, der Sonne überhaupt aus dem Weg zu gehen.
Impfungen für Fernreisen
So wichtig der Schutz der Haut vor der Sonne ist, genauso wichtig ist der Schutz des Körpers vor Krankheiten, die in anderen Teilen der Welt verbreitet sind. Gerade bei Reisen außerhalb Europas sollte daher rechtzeitig ein Blick in den Impfpass geworfen werden. Viele Menschen wissen gar nicht genau, welche Impfungen sie zuletzt erhalten haben oder wann eine Auffrischung fällig wäre. Grundsätzlich empfiehlt es sich daher, vor jeder größeren Reise den eigenen Impfstatus überprüfen zu lassen. Neben den in Österreich empfohlenen Standardimpfungen – etwa gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten oder Masern – kann je nach Reiseziel ein zusätzlicher Impfschutz sinnvoll sein. Welche Schutzmaßnahmen im Einzelnen tatsächlich notwendig oder empfehlenswert sind, hängt stark davon ab, wohin die Reise geht, wie man dort unterwegs ist und welche Aktivitäten geplant sind.
Wer beispielsweise längere Zeit in tropischen oder subtropischen Regionen verbringt, sollte sich unter Umständen gegen Hepatitis A oder B impfen lassen. Auch Impfungen gegen Typhus oder Tollwut können in bestimmten Regionen sinnvoll sein, etwa dann, wenn man viel außerhalb touristischer Zentren unterwegs ist oder engen Kontakt zu Tieren haben könnte.
Fachleute empfehlen daher, sich möglichst frühzeitig beraten zu lassen – idealerweise sechs bis acht Wochen vor Reiseantritt. Hausärztinnen und Hausärzte, reisemedizinische Ambulanzen oder auch Apotheken können Auskunft darüber geben, welche Impfungen sinnvoll sind und wann sie verabreicht werden sollten, damit zum Zeitpunkt der Abreise ein ausreichender Schutz besteht.
Die Reiseapotheke
Ob Aktivurlaub, Städtereise oder Badeurlaub, Aufenthalt im eigenen Land oder Fernreise – in allen Fällen ist eine gut sortierte Reiseapotheke unverzichtbar. Zur Basis-
ausstattung gehören laut Österreichischer Apotheker-kammer folgende Medikamente und Utensilien:
Medikamente gegen häufige Beschwerden
Schmerzen & Fieber: z. B. Paracetamol, Ibuprofen. Tipp: Bei Tropenreisen keine Acetylsalicylsäurehaltigen Präparate, da sie bei Dengue-Fieber das Blutungsrisiko erhöhen können.
(Reise-)Übelkeit
Verdauungsprobleme (Durchfall, Verstopfung, Sodbrennen): Elektrolyte
Erkältung & Husten: Halsschmerztabletten, abschwellende Nasentropfen
Allergien & Juckreiz
individuell benötigte Medikamente
Versorgungsmaterial
Pflaster, Blasenpflaster, Verbände
Desinfektionsmittel, Wund- und Heilsalbe
Kühlkompressen
Schere, Pinzette (auch Zeckenpinzette), Einmalhandschuhe
Fieberthermometer
Sonnen- & Insektenschutz
Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor und After-Sun-Pflege
Insektenschutzmittel/Repellentien: Mittel, die Insekten abwehren und vor Stichen schützen, z. B. Mückensprays oder Lotionen
Besonderheiten für Kinder
altersgerechte Präparate wie fiebersenkende Mittel als Saft oder Zäpfchen
kindgerechte Elektrolytlösungen bei Durchfall
spezieller Sonnen- und Insektenschutz
Weitere Tipps
Medizinische Dokumente wie Impfpass, Allergiepass oder Diabetikerausweis bereithalten
Medikamente kühl, trocken und lichtgeschützt lagern
Vorrat für mehrere Tage einplanen und wichtige Medikamente idealerweise getrennt aufbewahren
Text: Angelika Kraft⎪Fotos: iStock_Viktoriya Fessenko, Vinh Tran, Hanna Perelygina, _Iuliia Anisimova; iStock_LanaStock