Jeder siebte Mensch ist psychisch krank
1,2 Milliarden Menschen weltweit leben mit einer psychischen Erkrankung – das ist jeder siebte Mensch und doppelt so viel wie vor 30 Jahren. Darauf weist eine aktuelle Publikation im renommierten Medizinfachblatt „The Lancet“ hin, wie der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) in einer Aussendung informiert.
Eine Arbeitsgruppe analysierte Daten zu den zwölf häufigsten psychischen Störungen weltweit im Zeitraum von 1990 bis 2023. Das Ergebnis: 2023 wies fast jeder siebte Mensch – genauer gesagt 14,2 Prozent der Weltbevölkerung – eine psychische Störung auf. Gleichzeitig zeigte sich ein deutlicher Anstieg aller untersuchten Erkrankungen seit 1990. Besonders stark nahmen Angststörungen und depressive Störungen zu. Aber auch Dysthymie, Anorexia nervosa, Bulimie, Schizophrenie und Störungen des Sozialverhaltens wurden häufiger, berichtet der BÖP auf Basis der Daten.
Frauen und Jugendliche stark betroffen
Die aktuelle Entwicklung wird als dramatisch eingeschätzt und entspricht einer Zunahme von 95 Prozent gegenüber 1990. Psychische Störungen zählen weltweit zu den häufigsten Erkrankungen und sind außerdem die häufigste Ursache für gesundheitliche Einschränkungen und Behinderungen. Die Auswertung zeigt außerdem: Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Besonders betroffen sind Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. „Die Zahlen sind alarmierend. Man kann mittlerweile von einer weltweiten Krise der psychischen Gesundheit sprechen. Mit Blick in die Zukunft ist zu befürchten, dass die Zahl der psychisch Erkrankten weiter steigen wird“, sagt BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger. Auch für Österreich zeigen Zahlen aus dem Bericht „State of Health in the EU“ aus dem Jahr 2023 ein deutliches Bild: Die Bevölkerung ist stärker von psychischen Problemen betroffen als der europäische Durchschnitt. Angststörungen, depressive Störungen sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch treten hierzulande häufiger auf.
Kostenfreie Kassenplätze in Österreich
Seit Jänner 2026 stehen kostenfreie Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlungen zur Verfügung. Über die BÖP-Serviceplattform psyhelp werden passende Plätze vermittelt. Eine erste Bilanz zeigt bereits eine sehr hohe Nachfrage.
Text: Daniela Rittmannsberger-Kampel⎪Fotos: iStock_KatarzynaBialasiewicz