KI bei Gesundheitsfragen: So viele Österreicher vertrauen ChatGPT & Co.

Künstliche Intelligenz ist für viele Menschen in Österreich bereits Teil der persönlichen Gesundheitsrecherche. Eine aktuelle Studie zeigt, wie weit das Vertrauen in die digitalen Helfer inzwischen reicht.

„Was könnte hinter diesen Beschwerden stecken?“ Diese Frage landet offenbar längst nicht mehr nur in der Arztpraxis oder bei der klassischen Internetsuche. Sechs von zehn Österreicherinnen und Österreicher haben bereits KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder KI-gestützte Suchmaschinen genutzt, um sich über gesundheitliche Themen zu informieren. Das zeigt die Gesundheitsstudie 2026 der Wiener Städtischen Versicherung, für die das Gallup Institut 1.000 Personen zwischen 16 und 70 Jahren befragt hat.

Besonders häufig kommt KI zum Einsatz, wenn Beschwerden auftreten: 66 Prozent der KI-Nutzerinnen und -Nutzer verwenden sie, um Symptome zu überprüfen oder Unterstützung bei der Einschätzung möglicher Erkrankungen zu bekommen. 55 Prozent lassen sich medizinische Befunde oder komplizierte Informationen erklären, 39 Prozent informieren sich über Medikamente und mögliche Nebenwirkungen. Auch für Ernährung, Fitness und Schlaf wird KI genutzt.

Dr. Manuel Schalk

Jeder Dritte folgt KI-Empfehlungen

Bemerkenswert ist, dass es längst nicht immer bei der reinen Informationssuche bleibt. 31 Prozent jener Befragten, die KI für Gesundheitsfragen verwenden, haben bereits eine Empfehlung umgesetzt – und dafür entweder auf einen Arztbesuch verzichtet oder einer KI-Empfehlung statt einer ärztlichen Empfehlung gefolgt. Bei den 16- bis 35-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 44 Prozent, bei Männern bei 37 Prozent. Dabei wird KI durchaus als hilfreich wahrgenommen: Insgesamt 38 Prozent der Befragten bewerten sie bei Gesundheitsthemen als sehr hilfreich oder hilfreich. Bei den 16- bis 35-Jährigen sind es sogar 53 Prozent. Nach einer Gesundheitsrecherche mit KI überwiegen zudem positive Gefühle: 40 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer berichten von Beruhigung, 27 Prozent von Erleichterung und 21 Prozent von einem stärkeren Gefühl der Kontrolle. Verunsicherung erleben dagegen 18 Prozent. Ganz abgelöst hat die Technik den ärztlichen Rat allerdings keineswegs. 82 Prozent halten ärztliche Informationen für vertrauenswürdiger als Auskünfte einer KI. Umgekehrt geben jedoch bereits 13 Prozent an, KI eher oder sogar eindeutig mehr zu vertrauen. „KI wird für viele Menschen zunehmend zur ersten Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Umso wichtiger ist es, Informationen richtig einordnen zu können und KI als Ergänzung, nicht als Ersatz für medizinische Beratung zu verstehen“, sagt Manuel Schalk, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen.

Lange Wartezeiten sorgen für Unmut

Die zunehmende Nutzung digitaler Gesundheitsinformationen trifft auf eine wachsende Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Gesundheitssystem. Nur noch 47 Prozent der Befragten sind damit sehr zufrieden oder zufrieden. 2022 waren es noch 56 Prozent. 44 Prozent sind zudem der Ansicht, dass sich die medizinische Versorgung innerhalb des vergangenen Jahres verschlechtert hat. Ein Problem ist aus Sicht vieler die Verfügbarkeit von Kassenärztinnen und -ärzten: 55 Prozent sehen zu wenige Kassenärzte in der Allgemeinmedizin, bei anderen Fachrichtungen sind es sogar 71 Prozent. Das schlägt sich auch in den Wartezeiten nieder. Während 52 Prozent bei Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern innerhalb weniger Tage einen Termin erhalten, wartet rund ein Drittel bei Fachärztinnen und -ärzte mit Kassenvertrag länger als zwei Monate.

Mehrheit offen für Ambulanzgebühr

Für Diskussionen dürfte ein weiteres Ergebnis sorgen: 58 Prozent der Befragten sprechen sich grundsätzlich für eine Ambulanzgebühr bei nicht dringenden Besuchen in Krankenhausambulanzen aus. Bei der Höhe bleiben die Vorstellungen allerdings moderat. Von den Befürworterinnen und Befürworter würden 33 Prozent fünf bis zehn Euro für angemessen halten, 41 Prozent nennen elf bis 20 Euro. Lediglich elf Prozent würden mehr als 30 Euro befürworten. „Die Ergebnisse zeigen, dass ein Teil der Bevölkerung offen für neue Ansätze zur Steuerung von Patientenströmen ist“, so Schalk.

Wie gesund fühlt sich Österreich?

Trotz der Kritik am Gesundheitssystem beurteilt die Mehrheit den eigenen Zustand positiv: 61 Prozent beschreiben ihre körperliche Gesundheit als sehr gut oder gut, bei der mentalen Gesundheit sind es 62 Prozent. Gleichzeitig berichten 27 Prozent, dass sich ihr körperlicher Gesundheitszustand im vergangenen Jahr verschlechtert hat. Bei der psychischen Gesundheit zeigt sich vor allem bei Jüngeren eine erfreuliche Entwicklung: 29 Prozent der 16- bis 35-Jährigen geben an, dass sich ihre mentale Gesundheit innerhalb eines Jahres verbessert hat. Bei den 56- bis 70-Jährigen sind es lediglich sieben Prozent. Die Gesundheitsstudie zeichnet damit ein durchaus widersprüchliches Bild: Die Menschen fühlen sich mehrheitlich gesund, gleichzeitig wächst die Kritik an der Versorgung. Und während der ärztliche Rat weiterhin klar das größte Vertrauen genießt, etabliert sich KI zunehmend als zusätzliche Anlaufstelle – bei einem Teil der Bevölkerung bereits mit ganz konkreten Folgen für Gesundheitsentscheidungen.


Foto: iStock_Thai Liang Lim, Barbara Nidetzky

 

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