Nicht mit mir!

Frauenpower mit Wirkung: In den Kursen von „Nicht mit mir“ lernen Frauen, Grenzen zu setzen, Gefahren zu erkennen und selbstbewusst zu handeln.

Ein lauter Ruf hallt durch die Halle, kurz darauf ein entschlossener Schritt nach hinten. Frauen unterschiedlichen Alters stehen konzentriert auf der Matte und üben Schlag- und Abwehrbewegungen. Sie lernen, im entscheidenden Moment nicht zu erstarren, sondern zu handeln. Die Atmosphäre ist kraftvoll, der Wille jeder Einzelnen, sich selbst behaupten zu können, ist spürbar.

Hier geht es um mehr als Technik, es geht um Selbstvertrauen. Der Ursprung von „Nicht mit mir“ liegt in einem sportlichen Meilenstein: Als die niederösterreichische Judoka Michaela Polleres bei den Olympischen Spielen in Tokio Silber gewann, entstand die Idee, Kinder über den Judosport für Bewegung zu begeistern. Das Projekt „Umwerfend mit Michi“ wurde ein voller Erfolg – und machte Lust auf mehr. Bald darauf kam von Seiten des Sportlandes NÖ die Anregung, speziell für Mädchen und Frauen etwas zu schaffen, das über körperliche Fitness hinausgeht. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte man gemeinsam mit dem Judolandesverband Niederösterreich ein Konzept, das Frauen ab 14 Jahren anspricht – offen nach oben und bewusst generationsübergreifend.

Frauen lernen, kraftvoll zu handeln und sich zu verteidigen.

Kopf,  Körper und Haltung

Fünf Einheiten zu jeweils zwei Stunden bilden den Rahmen des Programms. Ziel ist es, Wissen und Bewegung zu verbinden: von rechtlichen Grundlagen und psychologischen Aspekten bis hin zu konkreten Abwehr- und Befreiungstechniken. Dabei lernen die Teilnehmerinnen, Stresssituationen realistisch einzuschätzen und praktische Lösungen zu trainieren – zum Beispiel, wie sie Distanz schaffen, Hilfsmittel nutzen oder mit gezielten Bewegungen aus einer Umklammerung entkommen.

Besonders wichtig ist der Judo-Hintergrund der Trainerinnen und Trainer. Hier wird nicht nur gelehrt, wie man fällt oder rollt, sondern auch, wie man körperlich und mental Haltung bewahrt. „Die Teilnehmerinnen sollen sich einerseits körperlich betätigen und ihre eigenen Fähigkeiten bewusster wahrnehmen, andererseits aber auch ihr Selbstvertrauen stärken“, erklärt Thomas Stückler vom Judolandesverband NÖ. Dass dieses Konzept ankommt, zeigen die Rückmeldungen: Schon im ersten Jahr waren zahlreiche Standorte ausgebucht, Unternehmen und Vereine interessierten sich für eigene Gruppenkurse. „Es war sehr schön zu sehen, wie die Teilnehmerinnen nach und nach ihr Selbstvertrauen stärkten und immer besser mit den Stresssituationen umgehen konnten“, sagt Stückler rückblickend. „Nichtsdestotrotz war die höchste Prämisse jedoch immer: Flucht und Aufmerksamkeit schaffen ist die beste Selbstverteidigung.“

Im Ernstfall handlungsfähig

Wie sehr sich dieses Training auch im Alltag bemerkbar macht, zeigt das Beispiel von Tanja Wagner. Sie wollte wissen, wie es sich anfühlt, vorbereitet zu sein. Die Förderung durch das Sportland NÖ machte die Teilnahme leicht möglich, und schon nach der ersten Einheit war sie überzeugt. „Die Einheiten waren durchwegs gut strukturiert und logisch aufgebaut. Sie begannen jeweils mit einem theoretischen Teil und gingen anschließend in die praktische Umsetzung über, sodass jede Einheit sowohl Wissensvermittlung als auch Anwendung beinhaltete“, erzählt sie. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Übung mit dem Trainer im Vollschutzanzug: „Eine Minute lang intensiv treten, schlagen und lautstark reagieren – diese realitätsnahe Übung hat mein Selbstvertrauen deutlich gestärkt und mir gezeigt, dass ich im Ernstfall handlungsfähig bin.“

Seit dem Kurs geht sie achtsamer durch den Alltag. Sie fühlt sich auf kurzen Wegen – etwa vom Zug zum Auto – sicherer, und vermeidet dunkle, einsame Plätze nicht mehr aus Angst, sondern aus klarem Bewusstsein.

Gemeinschaft und nachhaltige Wirkung

Dass „Nicht mit mir“ nicht nur Schutz vermittelt, sondern auch verbindet, zeigt sich in jeder Trainingseinheit. Viele Teilnehmerinnen erleben den Kurs gemeinsam mit Freundinnen oder Familienmitgliedern, einige schließen sich danach einem Verein an, um weiter zu trainieren. „Die Kurse bieten die einmalige Möglichkeit, in kurzer, abgesteckter Zeit die Grundlagen der Selbstverteidigung zu erlernen. Sie können gegen einen geringen Selbstkostenbeitrag besucht werden, ohne eine Mitgliedschaft oder Abo in einem Club buchen zu müssen“, so Stückler.

Für Tanja Wagner ist das Projekt ein Gewinn auf allen Ebenen: „Jede Frau, die die Chance bekommt, an dem Kurs teilzunehmen, sollte diese unbedingt nutzen. Ich hoffe, dass noch mehr Kurse angeboten werden, damit noch viele weitere Frauen davon profitieren können. Herr Lampl ist ein hervorragender Trainer, der durch sein Training das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit von uns Teilnehmerinnen stärkt.“

So trägt „Nicht mit mir“ dazu bei, dass Frauen Sicherheit erleben – und das Gefühl entwickeln, selbstbestimmt und aktiv durchs Leben zu gehen.


Projekt „Nicht mit mir“

Initiatoren:
Sportland NÖ & Judolandesverband Niederösterreich

Zielgruppe:
Frauen ab 14 Jahren – keine Altersgrenze nach oben

Kursstruktur:
5 Einheiten à 2 Stunden, unter der Woche oder am Wochenende

Inhalte:
Selbstverteidigungstechniken aus Judo, Karate und Jiu-Jitsu, rechtliche & psychologische Grundlagen, Alltagstraining

Ziel:
Stärkung von Selbstbewusstsein, Reaktionsfähigkeit und Achtsamkeit im Alltag

Kosten:
20 Euro Selbstkostenbeitrag dank Förderung durch Sportland NÖ

Informationen: www.sportlandnoe.at/projekte/nicht-mit-mir


Text: Werner Schrittwieser⎪Fotos: ProFilms by Kevin Hackner e.U.; istock_Vera Orlova

 

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