Orte gegen das Alleinsein
Mit „Jugend(T)Räume“ unterstützt „Tut gut!“ zehn niederösterreichische Gemeinden dabei, Treffpunkte und Beteiligungsprojekte für junge Menschen zu schaffen. Aus 48 Einreichungen wählte eine Fachjury jene Vorhaben aus, die Jugendlichen mehr Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit und Begegnung ermöglichen.
„Jugend-Radio“: In Wieselburg gehen Jugendliche auf Sendung.
Einsamkeit ist kein Thema, das erst im Alter beginnt. Auch Jugendliche können sich einsam fühlen – selbst dann, wenn sie täglich von anderen Menschen umgeben sind. Fehlende Treffpunkte, wenig Mitsprache, Unsicherheit im öffentlichen Raum oder das Gefühl, in der eigenen Gemeinde nicht wirklich vorzukommen, können dazu beitragen, dass junge Menschen sich zurückziehen. Genau hier setzt das Projekt „Jugend(T)Räume“ an: Es will Jugendlichen in Niederösterreich Orte und Gelegenheiten geben, an denen sie Gemeinschaft erleben, Beziehungen aufbauen und ihre Umgebung aktiv mitgestalten können. Die Initiative wird von „Tut gut!“ im Rahmen des Programms „Kommunale Gesundheitsförderungsimpulse“ umgesetzt und vom Fonds Gesundes Österreich finanziell gestützt. Ziel ist es, soziale Teilhabe, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit in jungen Jahren zu fördern, weil Einsamkeitserfahrungen gerade in dieser Lebensphase schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können. „Gesunde Gemeinden“ konnten bis Ende März 2026 ihre Projektideen einreichen. Aus insgesamt 48 Einreichungen wurden zehn Vorhaben ausgewählt, die in den kommenden zweieinhalb Jahren umgesetzt werden.
Gemeinde aktiv mitgestalten
Im Zentrum der Initiative stehen junge Menschen zwischen zehn und 20 Jahren. Die ausgewählten Projekte sollen nicht über die Köpfe der Jugendlichen hinweg geplant werden, sondern sie aktiv einbeziehen: in Workshops, bei Planungsprozessen, in kreativen Formaten, bei der Gestaltung von öffentlichen Räumen oder beim Aufbau neuer Treffpunkte. Damit die Projekte auch Jugendliche außerhalb des schulischen Umfelds erreichen, erfolgt das Projekt in Zusammenarbeit mit der Dorf- und Stadterneuerung, Jugend:Info NÖ, der NÖ Arbeitsgemeinschaft Offene Jugendarbeit und der Landjugend. Pro ausgewählter „Jugend(T)Räume“-Gemeinde kann über den gesamten Projektzeitraum von drei Jahren eine Fördersumme von maximal 9.900 Euro abgerufen werden. Die Umsetzung der zehn ausgewählten Projekte läuft bis Sommer 2028. Aufgrund des großen Interesses unterstützt „Tut gut!“ zusätzlich zehn weitere Einreichungen mit einer Anschubfinanzierung von jeweils maximal 1.000 Euro beziehungsweise bis zu 80 Prozent der förderbaren Kosten. Damit bleibt die Initiative nicht bei den zehn Hauptprojekten stehen. Sie sendet auch ein Signal an andere Gemeinden: Jugendbeteiligung muss nicht immer mit großen Bauvorhaben beginnen. Oft reicht ein konkreter Anlass, ein erreichbarer Ort und die Bereitschaft, Jugendlichen zuzuhören.
Erwachsene als Türöffner
So sehr „Jugend(T)Räume“ auf die Ideen und die Beteiligung junger Menschen setzt, so wichtig sind Erwachsene als Türöffner. Eltern, Großeltern, Lehrerinnen und Lehrer, Vereinsverantwortliche oder engagierte Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger können Jugendliche auf die Projekte aufmerksam machen und sie ermutigen, mitzumachen. Gerade jene jungen Menschen, die sich bisher wenig zugehörig fühlen, brauchen oft jemanden, der den ersten Schritt erleichtert.
10 Ideen, 10 Zugänge
Berndorf – „Wertvolles Berndorf & wertvolle Region“: In Berndorf machen Jugendliche Werte wie Respekt, Vielfalt und Solidarität kreativ sichtbar. Ein offenes Atelier und eine Ausstellung im öffentlichen Raum sollen Gemeinschaft
erlebbar machen.Böheimkirchen – „Vom Beet auf den Teller“: Ernährung greifbar machen – Jugendliche bauen Lebensmittel an, ernten und kochen gemeinsam. So verbindet das Projekt Gesundheitswissen mit praktischer Erfahrung und Gemeinschaft.
Dunkelsteinerwald – „Gemeinsam statt einsam“: In der weitläufigen Gemeinde Dunkelsteinerwald sollen Jugendliche besser erreicht und eingebunden werden. Eine neu gestaltete Büchertelefonzelle wird dabei zum kleinen Treffpunkt mit Lese-Ecke.
Groß-Enzersdorf – „Color Your City“: Jugendliche gestalten öffentlichen Raum nach ihren Vorstellungen. Kreative Aktionen, kleine Events und Angebote rund um Gesundheit sollen neue Begegnungsorte schaffen.
Litschau – „Move.Meet.Chill“: In Litschau wird das Strandbad zum Jugendraum: Beachvolleyballplatz und Funcourt sollen wiederbelebt werden. Bewegung, Treffen und Chillen rücken dabei gleichermaßen in den Mittelpunkt.
Neulengbach – „Raum für Mädchen“: In Neulengbach nehmen Mädchen und junge Frauen öffentliche Räume aus ihrer Perspektive in den Blick. Safety-Walks und Workshops sollen zeigen, wo Aufenthaltsorte sicherer und einladender werden können.
Reichenau an der Rax – „Chill & Change“: In Reichenau an der Rax wird ein Jugendtreffpunkt neu gedacht. Jugendliche gestalten mit, übernehmen Verantwortung und entwickeln Ideen für Orte, an denen sie sich gerne aufhalten.
Weinburg – „Jugend-Chillout-Zone im Kräuterschaugarten“: In Weinburg entsteht im Kräuterschaugarten ein naturnaher Treffpunkt für Jugendliche. Sitz- und Liegeplätze, Workshops, Musik und Bewegung verbinden Erholung mit Gemeinschaft.
Wieselburg – „Jugend-Radio“: In Wieselburg gehen Jugendliche selbst auf Sendung. Mit dem „Jugend-Radio“ wählen
sie Themen, führen Gespräche und stärken dabei Medienkompetenz, Selbstvertrauen und regionale Verbundenheit.Zeiselmauer-Wolfpassing – „Mein Ort. Mein Genuss. Meine Gemeinde“: Jugendliche entdecken ihre Gemeinde neu. Fotografie, Workshops und gemeinsames Kochen verbinden Ortsidentität, Beteiligung und Genuss.
Mitmachen & mitgestalten
Sie wollen mehr zu den einzelnen Projekten und zur Teilnahme erfahren? Dann melden Sie sich:
Dipl.-Ing. Katharina Peherstorfer
Projektleiterin bei „Tut gut!“
Tel.: 0676/858 70 34417
Katharina.Peherstorfer@noetutgut.at
Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: Stadtgemeinde Wieselburg, Philipp Monihart, istock: Tetiana Garkusha