Reset für Kopf und Körper

Ein Wochenende ohne Kaffee, dafür mit viel Gemüse, Ruhe und neuen Routinen. GESUND & LEBEN-Chefredakteurin Michaela Neubauer wagt den Selbstversuch im Wilfinger Ring Bio Hotel Hartberg.

Normalerweise bin ich ja recht probierfreudig, was Gesundheit angeht: ob Gesichtsbehandlungen, neue Sportarten oder Trends wie Kryotherapie – ich bin dabei. Nur bei gesunder Ernährung, das gebe ich zu, war meine Motivation bisher eher schwankend. Zwar bemühe ich mich stets um ausgewogene Mahlzeiten, die alle nötigen Proteine, Kohlenhydrate und Fette beinhalten, doch im Alltag hapert es vor allem an Kreativität und Zeit. Also beschloss ich, mich bewusst ein paar Tage diesem Thema zu widmen. Und welche Location ist dafür besser geeignet als ein Haus, das sich seit Jahrzehnten genau damit beschäftigt? Das Wilfinger Ring Bio Hotel in Hartberg ist auf hochwertige Bio-Vollwertküche und Gesundheitsurlaub spezialisiert. Noch bevor es überhaupt losgeht, starte ich mein kleines Experiment bereits zu Hause: Montagfrüh der letzte Kaffee. Ein mutiger Schritt, wie sich schnell zeigt. Bereits am Dienstag meldet sich mein Körper mit klassischem Koffeinentzug: Kopfweh, Müdigkeit, schlechte Laune. Ich bleibe standhaft und sage mir: Besser jetzt als am Wochenende.


Freitag

Bei einer Tasse Früchtetee am Pool kommt der Geist zur Ruhe.

Freitagmittag geht es los. Gemeinsam mit meiner Schwägerin fahre ich von Wien Richtung Oststeiermark. Im Auto machen wir Witze über mögliche Hungerkrisen und planen vorsorglich eine Kaffeepause für die Heimfahrt. Doch im Hotel angekommen, wird uns sehr schnell klar: Gesundheits­urlaub heißt gar nicht Verzicht, sondern bewusste Reduktion und neue Impulse. Unser erster Programmpunkt: sanftes Yoga. „Ihr werdet heute zwar nicht schwitzen, aber in euch hineinspüren“, sagt Kursleiterin Jenny. Und tatsächlich: Nach einer Stunde Dehnen, Atmen und Loslassen fühlen wir uns geerdet. Im Anschluss genießen wir die Saunalandschaft und legen uns dann mit einer Tasse Früchtetee hinaus zum Panoramapool, um noch ein wenig Sonne zu tanken und richtig anzukommen. Das Abendessen überrascht: ein Gemüse­absud mit Flohsamenschalen. Klingt vielleicht spartanisch, macht aber erstaunlich satt – und gleichzeitig ist es ein gutes Gefühl, etwas für die Gesundheit getan zu haben, denn Flohsamen wirken positiv auf Verdauung und Stoffwechsel. Vor dem Schlafengehen spazieren wir noch durch den hauseigenen Kräutergarten. Hier wird dazu eingeladen, mit allen Sinnen zu erkunden: Schauen, Riechen, Schmecken. Wir schneiden uns ein wenig Schnittlauch ab und genießen.



Samstag

Der Samstag beginnt bereits um sechs Uhr morgens – mit einem Nierentee, der uns ans Bett serviert wird. Im Speisesaal wartet eine Auswahl, die zeigt, wie vielfältig gesunde Ernährung sein kann: vegane Breis, Kräuterelixiere nach Hildegard von Bingen, Buchweizensuppe und vieles mehr. Ich entscheide mich für einen süßen Brei mit Kokosflocken, getrockneten Bananen und Datteln. Was hier serviert wird, folgt einem klaren Konzept: der sogenannten Vollwert-Vitalküche. Viel Gemüse, hochwertige Bio-Zutaten, möglichst regional, schonend zubereitet. Fleisch spielt eine Nebenrolle, Zucker und Fett werden bewusst reduziert. Stattdessen stehen Ballaststoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe im Fokus. Am Vormittag steht bereits die nächste Wohltat auf dem Programm: eine Hydrojet-Überwassermassage und ein Heuwickel im Leberbereich. Während ich auf dem warmen Wasserbett liege, massieren Wasserstrahlen unter der Liegefläche sanft den Rücken – Verspannungen lösen sich, der Körper fährt spürbar herunter. Der anschließende Heuwickel wirkt zunächst ungewohnt, entfaltet aber rasch seine angenehme Wärme. Er soll die Durchblutung fördern und die Entgiftung unterstützen. Mittags wird es wieder kulinarisch spannend: Kartoffelbällchen im Kürbiskernmantel an Kohl­rabigemüse, gefolgt von einer Topfen-Buttermilchcreme mit marinierten Himbeeren. Gut gestärkt borgen wir uns im Hotel E-Bikes aus. Die ausgedehnte Tour führt uns durch die sanften Hügel des Thermen- und Vulkanlands, vorbei an Feldern, kleinen Dörfern und immer wieder beeindruckenden Ausblicken.



Sonntag

Endlich treffe ich ihn persönlich: Roman M. Wilfinger führt das Hotel in dritter Generation. Sein Großvater begann 1957 an diesem Standort mit einer Tankstelle, später kam ein Rasthaus dazu. 1975 folgte der Schritt in die Hotellerie – zunächst als Motel für Durchreisende. „Das ursprüngliche Konzept hat nicht funktioniert. Mein Großvater musste umdenken“, erzählt Wilfinger. Eigene gesundheitliche Probleme und Begegnungen mit Pionieren der Vollwerternährung führten schließlich zur Neuausrichtung. „Damals war Bio noch kein Begriff, viele haben uns belächelt“, sagt der Hoteldirektor. Heute ist genau das das Alleinstellungsmerkmal des Hauses. Ergänzt wird das Konzept durch Fastenprogramme. Angeboten werden unterschiedliche Formen – vom sanften Basenfasten, bei dem weiterhin gegessen wird, bis hin zum klassischen Buchinger-Fasten mit gezieltem Nahrungsverzicht. Auch moderne Varianten wie Intervallfasten oder die 3-6-9-Leberkur finden sich im Programm. In geführten Fastenwochen werden die Gäste von speziell ausgebildeten Fastentrainerinnen und -trainern betreut – mit Vorträgen, Bewegungseinheiten und individueller Unterstützung. Neben diesen intensiven Programmen gibt es kürzere Angebote zum Hineinschnuppern, beispielsweise Detox- oder Fastenimpulstage. Ziel ist es, den Körper zu entlasten, Stoffwechselprozesse anzuregen und ein neues Bewusstsein für Ernährung zu schaffen. „Die Wirkung soll nicht nach ein paar Tagen verpuffen“, sagt Wilfinger, „sondern idealerweise den Alltag nachhaltig verändern. Deshalb werden auch Kochkurse in der eigenen Lehrküche angeboten, die zeigen, dass gesunde Rezepte auch im Alltag ohne viel Aufwand nachgekocht werden können.“ Dass dieses Konzept funktioniert, beweist der hohe Stammgästeanteil von rund 70 Prozent. Manche kommen seit Jahrzehnten – mehrere hundert Aufenthalte sind keine Seltenheit.

Die Bio-Vollwertküche sättigt, ohne den Darm zu belasten.

 

Montag

Bevor es zurück nach Wien geht und der Alltag wieder beginnt, gönne ich mir bei meinem zweiten Heuwickel noch einen letzten Moment der Ruhe. Dabei wird mir eines klar: Während der letzten drei Tage ist mir der Kaffee gar nicht abgegangen. Natürlich nehme ich nicht alles eins zu eins mit nach Hause. Aber einiges bleibt: mehr Gemüse, bewusstere Pausen und weniger Getriebenheit. Und vor allem die Erkenntnis, dass Ernährung kein kurzfristiges Projekt ist, sondern eine Entscheidung, die man jeden Tag aufs Neue trifft.

Wilfinger Ring Bio Hotel****

Schildbach 51, 8230 Hartberg

Tel.: 03332/6080

hartberg@wilfinger-hotels.at

wilfinger-hotels.at/ring-bio-hotel


Text: Michaela Neubauer⎪Fotos: comma PR, privat

 

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