Tage im Takt
Wer die Menstruation versteht, lernt den eigenen Körper lesen – und legt schon in jungen Jahren den Grundstein für hormonelle Gesundheit und Selbstvertrauen.
Die Pubertät und das Einsetzen der monatlichen Blutung ist für Mädchen ein zentraler Wendepunkt. Sie markiert den Start eines hormonellen Systems, das sie ihr Leben lang begleitet. In dieser Zeit pendelt sich die Achse zwischen Gehirn und Eierstöcken ein, Östrogen und Progesteron beginnen zyklisch zu arbeiten. Dass dieser Prozess nicht reibungslos verläuft, ist Teil der Entwicklung. „Die Pubertät ist die entscheidende Phase, in der die Grundlage für die hormonelle Gesundheit gelegt wird“, erklärt Dr. Lisa Emmer, Fachärztin für hormonelle Frauengesundheit. „Der Anlauf ist oft holprig: Akne, Stimmungsschwankungen oder unregelmäßige Zyklen gehören dazu. Wichtig ist, Mädchen zu vermitteln, dass all das normal ist.“ Gerade heute, wo sich viele Jugendliche eher online als im vertrauten Umfeld informieren, bekommt Aufklärung einen neuen Stellenwert. So wurde erst kürzlich bei einem o.b.-Diskussionspanel deutlich, wie groß die Unsicherheit bei Mädchen, Eltern und Schulen in puncto Menstruationsbildung noch immer ist.
Dr. Lisa Emmer, Fachärztin für hormonelle Frauengesundheit
Der Start ins hormonelle Leben
Viele Frauen, die heute selbst Mütter sind, erinnern sich an eine eher lückenhafte oder späte Erklärung zur Periode. Dass Wissen heute früher, positiver und kontinuierlicher vermittelt wird, ist ein großer Vorteil, auch aus medizinischer Sicht. „Wir sollten Mädchen ermutigen, ihren Körper zu verstehen, statt sich zu vergleichen. Jede entwickelt sich unterschiedlich schnell, und das ist völlig in Ordnung“, so Emmer. Was viele nicht wissen: Erst zwei Jahre nach der ersten Periode lässt sich beurteilen, ob ein Zyklus ungewöhnlich unregelmäßig ist. Davor gilt vieles als normal. Zu frühe hormonelle Eingriffe, etwa durch die Pille, können die natürliche Regulation stören. „Das Wichtigste ist, offen zu sprechen – früh und ohne Scham. Nicht warten, bis die erste Periode kommt, sondern Alltagsanlässe nutzen“, sagt Emmer. „Ein kleines Menstruationskit kann Mädchen zusätzlich Sicherheit geben.“ Darin sollte sich alles befinden, was bei der ersten Periode benötigt wird: kleine Binden, Ersatzunterwäsche sowie ein erklärendes Kärtchen.
Tampons, Binden, Tassen
Die Auswahl an Periodenprodukten ist so groß wie nie zuvor. Tampons gelten als praktisch und diskret. Allerdings nehmen sie nicht nur Menstruationsblut, sondern auch Vaginalsekret auf. Dieses Sekret spielt eine wichtige Rolle für das vaginale Mikrobiom und den natürlichen pH-Wert. Wird dieses Gleichgewicht gestört, kann die Anfälligkeit für Infektionen steigen. Menstruationstassen hingegen sammeln ausschließlich Blut. Sie bestehen meist aus medizinischem Silikon und verändern den pH-Wert nicht – vorausgesetzt, sie werden hygienisch korrekt verwendet. Auch äußere Produkte haben in den letzten Jahren einen Wandel erlebt. Moderne Periodenunterwäsche ist atmungsaktiv, waschbar und kommt ohne Duftstoffe aus, für viele Frauen mit empfindlicher Haut eine spürbare Erleichterung. Gleichzeitig betont Lisa Emmer, dass nicht jedes Produkt für jede Alltagssituation gleich gut geeignet ist, etwa bei starker Blutung oder intensivem Sport. Das passende Periodenprodukt ist jenes, das sich sicher anfühlt, gut vertragen wird und zum eigenen Lebensstil passt.
Toxisches Schocksyndrom
Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist eines der Themen, die im Zusammenhang mit Tampons immer wieder für Verunsicherung sorgen. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die durch bestimmte Bakterien ausgelöst wird. „Wenn man ein Tampon viel zu lange trägt, länger als zwölf Stunden, haben Bakterien leichtes Spiel und können ungehindert in den Blutkreislauf gelangen“, erklärt die Medizinerin. Typische Warnzeichen sind plötzlich hohes Fieber, Schwindel, Übelkeit, ein Hautausschlag ähnlich einem Sonnenbrand, oder ein starkes Krankheitsgefühl. Durch bessere Produktstandards und vor allem mehr Aufklärung ist das Risiko, ein TSS zu erleiden, heute jedoch äußerst gering. Die meisten Frauen wissen, dass Tampons regelmäßig gewechselt werden sollten – idealerweise alle vier bis acht Stunden. Wichtig ist, dennoch die Warnsignale zu kennen und ernst zu nehmen. Treten Symptome auf, sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Menstruationshygiene
Eine gute Menstruationshygiene beginnt mit einem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper. Entscheidend ist, ein Periodenprodukt zu wählen, das zu den individuellen Bedürfnissen passt. Ebenso wichtig ist der regelmäßige Wechsel, unabhängig davon, welches Produkt verwendet wird, sowie eine sorgfältige Händehygiene. Besondere Aufmerksamkeit erfordern wiederverwendbare Periodenprodukte. Diese sind gerade bei der jungen Generation beliebt, da für viele Nachhaltigkeit ein ausschlaggebender Punkt ist. „Im Durchschnitt entstehen pro menstruierende Frau rund zehn Kilogramm Periodenabfall pro Jahr“, gibt Emmer zu bedenken. Allerdings benötigen diese Produkte auch eine dementsprechende Reinigung. Menstruationstassen sollten regelmäßig ausgekocht, Periodenunterwäsche gründlich und möglichst heiß gewaschen werden. Auch atmungsaktive Kleidung spielt eine Rolle: Enge, wenig luftdurchlässige Stoffe begünstigen ein feuchtwarmes Milieu, in dem sich Keime leichter vermehren können, besonders während der Menstruation.
Neben der Hygiene beeinflussen auch Lebensgewohnheiten maßgeblich, wie ausgeglichen der Zyklus verläuft. Für eine stabile Hormonbalance sind ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine nährstoffreiche Ernährung zentrale Säulen. Empfehlenswert ist eine Ernährung mit viel Gemüse, hochwertigen Proteinen, gesunden Fetten und möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln. Alkohol, Nikotin und andere toxische Substanzen können den Hormonhaushalt belasten und sollten, wenn möglich, reduziert werden.
Für viele Frauen fühlen sich Zyklus und Periode wie eine Belastung an. Doch Lisa Emmer setzt bewusst einen anderen Akzent: „Die Periode ist ein Vitalzeichen. Sie zeigt uns, wie es unseren Hormonen geht.“ Wer lernt, sie nicht als Laster zu sehen, sondern als Teil der eigenen Körperweisheit, entdeckt in ihr eine Quelle für Selbstkenntnis und Stärke. Oder, wie die Ärztin sagt: „Das ist etwas, worauf Frauen stolz sein dürfen.“
Periodenprodukte im Überblick
Tampons
Sicherer Klassiker für Alltag und Sport
Kann Vaginalsekret aufsaugen und das Mikrobiom beeinflussen
Wichtig: alle 4 – 8 Stunden wechseln
Binden
Weiches, äußeres Produkt – ideal bei sensibler Vagina
Kann jedoch bei Wärme / Schweiß schneller reizen
Perfekt für leichte bis mittlere Tage
Periodenunterwäsche
Komfortabel, nachhaltig, unauffällig
Ideal bei empfindlicher Haut oder als Backup
Je nach Modell unterschiedlich saugstark
Menstruationstassen
Nachhaltig, lange tragbar und pH-neutral
Sehr gut bei starker Blutung
Benötigt etwas Übung, muss regelmäßig ausgekocht werden
Text: Stefanie Harner⎪Fotos: iStock_TopVectors, beigestellt