Was die Haut jung hält
Anti-Aging-Wirkstoffe gelten als wirksame Helfer gegen vorzeitige Hautalterung. Was sie wirklich leisten und welche Erwartungen realistisch sind.
In der Regel möchte jeder alt werden – nur alt aussehen möchte kaum jemand. Dass die Haut nicht spurlos durch die Jahre geht, bemerken viele Menschen schon ab 25, wenn sich erste Anzeichen der Hautalterung zeigen. Die Haut wirkt weniger prall, erholt sich nach kurzen Nächten langsamer und erste feine Fältchen werden an den Augen, der Stirn oder zwischen den Augenbrauen sichtbar. Auch die Poren können größer wirken und Pigmentflecken allmählich sichtbar werden. Der Grund: Die körpereigene Produktion von Kollagen und Hyaluronsäure nimmt langsam ab. Gleichzeitig verlieren die Elastinfasern an Elastizität, die Haut speichert weniger Feuchtigkeit und die Zellerneuerung verlangsamt sich. Ab dem vierzigsten Lebensjahr schreitet dieser Prozess weiter voran: Mimikfalten wie Stirnfalten oder Krähenfüße prägen sich zunehmend ein und zeigen sich auch im entspannten Gesicht. Ab sechzig beschleunigen sich viele dieser Veränderungen. Die Haut wird dünner und trockener, verliert weiter an Elastizität und Spannkraft und regeneriert sich langsamer. Dadurch entstehen tiefere Falten und die Gesichtskonturen wirken weniger straff. Auch Altersflecken und lichtbedingte Hautschäden treten deutlicher hervor.
Die Haut gezielt unterstützen
Woran liegt das? „Ab dem 40. Lebensjahr beginnt der Östrogenspiegel langsam zu sinken. Die Haut wird dünner und trockener. Außerdem produziert sie weniger Hyaluronsäure, wodurch sie an Spannkraft verliert und weniger prall erscheint“, erklärt die Dermatologin und Anti-Aging-Expertin Dr. Elke Janig. Ihr Rat: „Zusätzlich zu einer Anti-Aging-Creme können jetzt Seren mit antioxidativen oder feuchtigkeitsspendenden Wirkstoffen sinnvoll sein. Ein Hyaluronsäure-Serum ist beispielsweise ein hervorragender Feuchtigkeits-Booster. Morgens aufgetragen lässt es die Haut den ganzen Tag über praller und frischer aussehen.“ Hyaluronsäure kann große Mengen Wasser binden und versorgt die Haut intensiv mit Feuchtigkeit. Dadurch wirkt sie kurzfristig praller, glatter und frischer. Weitere bewährte Feuchtigkeitsspender sind Glycerin und Urea. Glycerin zieht Wasser in die obersten Hautschichten und schützt die Haut vor dem Austrocknen. Der Effekt: Die Haut fühlt sich geschmeidiger an und wirkt glatter. Urea (Harnstoff) bindet Feuchtigkeit, stärkt die Hautbarriere und kann vor allem bei trockener oder reifer Haut Trockenheitsfältchen optisch mildern und das Hautgefühl verbessern.
Bewährte Wirkstoffe
Dennoch werden Hyaluronsäure, Glycerin und Urea in der Dermatologie von klassischen Anti-Aging-Wirkstoffen klar unterschieden, da sie die Hautalterung nicht direkt beeinflussen. Da sich frei erhältliche Produkte in Konzentration und Qualität unterscheiden, lohnt sich ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe. Zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Wirkstoffen zählen Retinoide, Vitamin C und Niacinamid (siehe Infokasten unten). Retinoide regen die Kollagenbildung an, fördern die Zellerneuerung und können feine Fältchen sowie lichtbedingte Hautschäden sichtbar verbessern. Retinol und Retinal sind in vielen hochwertigen Anti-Aging-Produkten enthalten. Das stärker wirksame Retinoid Tretinoin ist hingegen verschreibungspflichtig und wird unter anderem zur Behandlung von Akne sowie ausgeprägten lichtbedingten Hautschäden eingesetzt. Vitamin C zählt zu den wichtigsten antioxidativen Wirkstoffen in der Hautpflege. Es schützt die Haut vor freien Radikalen, die unter anderem durch UV-Strahlung und Umweltbelastungen entstehen. Vitamin C unterstützt die Kollagenbildung und kann Pigmentflecken aufhellen. Ebenfalls gut untersucht ist Niacinamid (Vitamin B3). Der Wirkstoff stärkt die Hautbarriere, sorgt für ein ebenmäßigeres Hautbild und eignet sich auch für empfindlichere Haut.
Sinnvolle Anti-Aging-Routine
„Wer unsicher ist, welcher Wirkstoff zum eigenen Hauttyp passt, sollte sich dermatologisch beraten lassen“, empfiehlt Janig. Häufig beobachtet die Dermatologin, dass viele Menschen ihre Haut überpflegen. „Oft werden Retinol, Vitamin C und verschiedene Peelings gleichzeitig angewendet. Das kann die Hautbarriere schädigen.“ Die Folge können Rötungen, Trockenheit oder Reizungen sein. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer perioralen Dermatitis – einer entzündlichen Hauterkrankung, bei der kleine rote Knötchen und Eiterbläschen rund um Mund, Nase oder Augen auftreten. Eine wirksame Anti-Aging-Pflege setzt stattdessen auf eine einfache, konsequente Routine: Nach einer sanften Reinigung werden – je nach Hauttyp – Wirkstoffe wie Retinol, Vitamin C oder Niacinamid aufgetragen. Ein- bis zweimal pro Woche können Fruchtsäuren (AHA) oder Salicylsäure (BHA) abgestorbene Hautzellen lösen und den Teint ebenmäßiger erscheinen lassen. Eine feuchtigkeitsspendende Pflege stärkt die Hautbarriere und schützt vor dem Austrocknen. Genauso wichtig ist konsequenter Sonnenschutz: „UV-Strahlung zählt zu den wichtigsten Ursachen vorzeitiger Hautalterung. Sie schädigt die Kollagen- und Elastinfasern der Haut, wodurch früher Falten entstehen können.“ Deshalb sollte die Haut täglich – auch an bewölkten Tagen – mit einem ausreichend hohen Lichtschutzfaktor geschützt werden.
Diese Anti-Aging-Wirkstoffe sind wissenschaftlich gut untersucht
Retinoide (Vitamin-A-Derivate) gelten als Goldstandard der Anti-Aging-Pflege:
RETINAL
... wird in der Haut mit nur einem Umwandlungsschritt in die aktive Vitamin-A-Säure umgewandelt. Dadurch wirkt es schneller als Retinol und wird von vielen Anwenderinnen und Anwendern gut vertragen. Es kann feine Fältchen mildern und das Hautbild sichtbar verfeinern.
RETINOL
... zählt zu den am besten untersuchten Anti-Aging-Wirkstoffen. Es fördert langfristig die Kollagenbildung, glättet die Hautstruktur und kann feine Linien sichtbar reduzieren. Zu Beginn sollte Retinol nur zwei- bis dreimal pro Woche am Abend angewendet und die Häufigkeit anschließend langsam gesteigert werden.
TRETINOIN
... ist die wirksamste Form der Vitamin-A-Säure und verschreibungspflichtig. Es verfügt über eine ausgezeichnete Studienlage zur Behandlung lichtbedingter Hautalterung und kann Falten sowie Pigmentveränderungen deutlich verbessern. Da es die Haut reizen kann, sollte es ausschließlich nach ärztlicher Verordnung angewendet werden.
VITAMIN C
... wirkt als Antioxidans und schützt die Haut vor freien Radikalen, die unter anderem durch UV-Strahlung entstehen. Gleichzeitig unterstützt es die Kollagenbildung, kann Pigmentflecken aufhellen und zu einem gleichmäßigen, strahlenden Hautbild beitragen. Für eine optimale Wirksamkeit sollte das Produkt licht- und luftgeschützt verpackt sein.
NIACINAMID (VITAMIN B3)
... stärkt die Hautbarriere und verbessert die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu speichern. Studien zeigen, dass der Wirkstoff Pigmentflecken und Rötungen mildern sowie das Hautbild verfeinern kann. Zudem gilt Niacinamid als besonders gut verträglich.
BUCHTIPP
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Die renommierte Dermatologin Dr. Liv Kraemer enthüllt in Skin Longevity die Geheimnisse gesunder und strahlender Haut. In einer Welt voller Kosmetikversprechen und kurzlebiger Trends bietet dieses Buch einen klaren, wissenschaftlich fundierten Leitfaden, um die Haut optimal zu pflegen und langfristig zu schützen.
ISBN: 978-3-548073996
Dr. Elke Janig, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie sowie Anti-Aging-Expertin in Wien, www.janig-derma.at
„Vorsicht vor unrealistischen Werbeversprechen“
Viele Cremes werden als Wundermittel im Kampf gegen die Hautalterung beworben. Wann ist Skepsis angebracht?
Wissenschaftlich aussagekräftige Studien sind aufwendig und teuer. Begriffe wie „dermatologisch getestet“, „klinisch getestet“ oder „frei von Chemie“ sind daher kein Beleg für eine nachgewiesene Wirksamkeit. Häufig bedeuten sie lediglich, dass ein Produkt von einer Testgruppe angewendet wurde – nicht jedoch, dass Falten objektiv oder wissenschaftlich belegt reduziert werden. Vorsicht ist auch bei unrealistischen Werbeversprechen wie „zehn Jahre jünger in drei Wochen“ oder „sichtbar glattere Haut über Nacht“ geboten. Solche Effekte beruhen meist auf kurzfristiger Feuchtigkeitsversorgung der Haut und nicht auf einer nachhaltigen Verbesserung der Hautstruktur.
Die Auswahl an Anti-Aging-Produkten ist riesig. Worauf sollte man beim Kauf achten?
Hochwertige Anti-Aging-Produkte sind häufig in Apotheken oder bei spezialisierten Hautärztinnen und Hautärzten erhältlich. Sinnvoll ist ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe: Bewährte Wirkstoffe wie Retinol oder Vitamin C sind licht- und sauerstoffempfindlich und sollten daher in lichtgeschützten, luftdichten Spendersystemen verpackt sein, damit ihre Wirksamkeit erhalten bleibt. Empfehlenswert sind außerdem Produkte ohne Duft- und Farbstoffe, da diese das Risiko von Hautreizungen oder allergischen Reaktionen erhöhen können.
Welche Wirkstoffe oder Pflegeprodukte haben einen nachweislich positiven Effekt auf die empfindliche Haut rund um die Augen?
Die Haut rund um die Augen ist besonders dünn, enthält nur wenige Talgdrüsen und wird durch Blinzeln und Mimik ständig beansprucht. Deshalb benötigt sie reichhaltigere Pflege, gleichzeitig sollten Wirkstoffe niedriger dosiert sein als im übrigen Gesicht. Gut untersucht sind Retinol, Peptide und Hyaluronsäure, die feine Linien und Krähenfüße mildern können.
Augenpflege wird idealerweise abends nach der Gesichtsreinigung sanft eingeklopft. Retinol sollte langsam eingeschlichen werden, um Hautreizungen zu vermeiden.
Können Anti-Aging-Wirkstoffe die Hautalterung bremsen?
Keine Creme und kein Serum kann die biologische Hautalterung aufhalten oder um viele Jahre rückgängig machen. Wissenschaftlich gut untersuchte Wirkstoffe wie Retinol, Vitamin C und Peptide können den Alterungsprozess jedoch verlangsamen, das Hautbild sichtbar verbessern und sozusagen die Uhr optisch etwas zurückdrehen. Sie fördern die Zellerneuerung, unterstützen die Kollagenbildung und können feine Fältchen mildern. Die Haut wirkt glatter, frischer und ebenmäßiger. Realistisch ist ein gepflegteres und vitaleres Erscheinungsbild – ein um zehn Jahre jüngeres Aussehen allein durch Hautpflege ist jedoch nicht zu erwarten.
Text: Jacqueline Kacetl⎪Fotos: The yuri Arcurs Collection; Beigestellt