Ein Wochenende zum Durchatmen

GESUND & LEBEN-Redakteurin Stefanie Harner begibt sich auf die Suche nach Entspannung und Erholung im Rahmen eines Meditations-Retreats.

Auf dem Parkplatz wird noch ein letzter Blick ins E-Mail-Postfach geworfen, bevor das Handy in der Tasche verschwindet. Wenige Schritte später öffnet sich die Tür zum Thermenresort Linsberg Asia im niederösterreichischen Bad Erlach. Der Duft von Holz und Tee liegt in der Luft, leise Musik erfüllt den Raum, Gespräche werden automatisch gedämpfter geführt. Und obwohl sich im Kopf immer noch ein Gedanken­karussell aus Aufgaben und Erledigungen dreht, beginnt ein Wochenende, das ganz im Zeichen der Entschleunigung steht.

Der Kampf mit dem Abschalten

Nach einer kurzen Begrüßungsrunde startet die erste Entspannungseinheit des Retreats. Die Teilnehmenden liegen auf Yogamatten, sanfte Instrumentalmusik begleitet die ruhige Stimme von Mentaltrainerin Sandra Janko. Als erste Übung steht ein „Bodyscan“ an. Nichts muss erledigt, nichts geleistet werden. Die Augen sind dabei geschlossen und die Aufmerksamkeit wandert nach und nach über die unterschiedlichen Muskelgruppen. Von den Zehen bis zur Stirn werden die einzelnen Bereiche benannt, erfühlt und losgelassen. Das Gewicht wird an die Matte abgegeben.

Doch der Kopf hält sich zunächst nicht an den Plan. Statt Knie, Schultern oder Füße stehen plötzlich ganz andere Gedanken im Mittelpunkt: Wurden die Pflanzen vor der Abreise gegossen? Wird es regnen? Muss für den Termin nächste Woche noch etwas vorbereitet werden? Habe ich die letzte Mail abgeschickt oder nur als Entwurf gespeichert? Aus dem Wunsch nach Ruhe entsteht kurz die Sorge, überhaupt nicht abschalten zu können. Es wird deutlich, wie ungewohnt echte Stille geworden ist. Doch nach und nach verändert sich etwas. Die Gedanken verschwinden zwar nicht komplett, aber sie drängen sich weniger in den Vordergrund. Während der Fokus immer wieder zur Stimme der Trainerin und zum eigenen Körper zurückkehrt, ist vom Nachbarn auf der Matte bereits leises Schnarchen zu hören. Stunden später, nach dem köstlichen Abendessen und einigen ruhigen Bahnen im warmen Thermalwasser, fällt auf: Das Gedankenkarussell ist längst zum Stillstand gekommen.

In Gedanken falsch abgebogen

Am nächsten Morgen führt Sandra Janko die Gruppe durch eine Meditationsreise. Nach einer kurzen Dehnung und Atemübung sollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Ort vorstellen, an dem sie sich vollkommen sicher und geborgen fühlen. Für einen kurzen Moment gelingt das erstaunlich leicht. Fast scheint es, als würde man das Gras unter den Zehen und den Wind in den Haaren spüren. Doch kaum beginnt sich die Szene vor dem inneren Auge zu vervollständigen, schlägt der Kopf eine unerwartete Richtung ein. Statt an einem Wohlfühlort findet man sich plötzlich im eigenen Badezimmer wieder. Dabei ist der Blick auf die Fugen zwischen den Badfliesen gerichtet, die schon seit Wochen nach einer gründlichen Reinigung verlangen. Gerade, als man anfängt zu überlegen, an welche Stelle der To-do-Liste diese Aufgabe gereiht werden sollte, folgt die Erkenntnis: „Halt. Da bin ich falsch. Hier gehöre ich gerade nicht hin.“ Die Aufmerksamkeit wandert zurück zur Stimme der Mentaltrainerin und zum eigentlichen Ort der Entspannung. Ein Vorgang, der während einer Meditation ganz normal sei, erklärt Sandra Janko. Es gehe nicht darum, keine Gedanken zu haben, sondern sie wahrzunehmen, ohne ihnen hinterherzulaufen und die Aufmerksamkeit immer sanft ins Hier und Jetzt zu lenken.

 

Mentaltrainerin Sandra Janko
www.sandra-janko.at

 

Fernöstlich inspiriertes Asia-Feeling sorgt für Ruhe und Entspannung.

Wenn der Körper zur Ruhe kommt

Im Laufe des Wochenendes lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Meditations- und Entspannungstechniken kennen. Beim autogenen Training etwa soll allein durch die Kraft der Vorstellung Einfluss auf den eigenen Körper genommen werden. Sätze wie „Mein rechter Arm wird ganz schwer“ klingen zunächst ungewohnt. Während Sandra Janko die einzelnen Formeln ruhig wiederholt, scheint zunächst nichts zu passieren. Doch nach und nach entsteht tatsächlich das Gefühl von Schwere. Nicht plötzlich und nicht spektakulär, sondern so subtil, dass man zunächst meint, es sich einzubilden. Ebenso eindrücklich wirkt die Progressive Muskelentspannung. Dabei werden einzelne Muskelgruppen zunächst angespannt und anschließend bewusst losgelassen. Was simpel klingt, entfaltet auf der Matte eine unerwartete Wirkung.
Während die Aufmerksamkeit langsam durch den Körper wandert, fordert Mentaltrainerin Sandra Janko dazu auf, den rechten Fuß anzuheben. Der Gedanke, der in diesem Moment auftaucht, überrascht: „Ich möchte gerade gar nicht. Das ist mir zu anstrengend.“ Ein Gedanke, der im Alltag vermutlich nie aufkommen würde, zeigt plötzlich, wie tief die Entspannung bereits geworden ist.


Mit allen Sinnen

Ein weiterer Programmpunkt führt hinaus in den angrenzenden Wald. Der Spaziergang wird zu einer weiteren Achtsamkeitsübung: Wann hat man zuletzt einfach nur den Geräuschen der Natur gelauscht? Dem Vogelgezwitscher, dem Summen der Insekten oder dem Rascheln der Blätter im Wind? Wie fühlt sich die Luft auf der Haut an? Wie verteilt sich das eigene Körper­gewicht auf die Füße? Gleichzeitig bietet der Weg Raum für Reflexion und Austausch. Welche Faktoren verursachen Stress? Wie erkennt man sie rechtzeitig? Und welche Belastungen übernimmt man möglicherweise unbewusst aus seinem Umfeld? Sandra Janko gibt dafür auch praktische Werkzeuge für den Alltag mit. Wenn Ärger oder Wut überhandnehmen, könne ein starker Sinnesreiz helfen, Abstand zu gewinnen. Ein beherzter Biss in eine Zitrone ist eine Möglichkeit, kaltes Wasser eine andere. Zwischen Meditation, Waldspaziergang und Thermenbesuch wird deutlich, dass Entspannung kein Zustand ist, der auf Knopfdruck entsteht. Jeder Mensch muss seine eigenen Strategien finden. Vielleicht lernt man Ruhe nicht in drei Tagen. Aber man erinnert sich daran, wie sie sich anfühlt.

Ausgleich, Genuss und Unbeschwertheit: Niederösterreich bietet einige Resorts zur Erholung.

Hotel Therme & Spa Linsberg Asia****
Thermenplatz 1, 2822 Bad Erlach
www.linsbergasia.at
Tel.: 02627/48000-330⎪therme@linsbergasia.at


Text: Stefanie Harner⎪Fotos: beigestellt

 

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