Sommer ohne Augenstress

Ob Hitze, Klimaanlage oder UV-Strahlung – die Augen reagieren empfindlich auf sommerliche Reize, besonders beim Tragen von Kontaktlinsen. Umso wichtiger sind gezielter Schutz und sorgfältige Pflege.

Im Winter stehen unsere Augen unter Dauerstress: Kalte Luft draußen und trockene Heizungsluft drinnen entziehen der empfindlichen Augenoberfläche Feuchtigkeit. Die Folgen sind oft brennende, gerötete oder tränende Augen. Im Sommer zeigt sich ein anderes Bild, aber die Belastung bleibt vergleichbar hoch. Intensive Sonneneinstrahlung, Pollen und feine Staubpartikel fordern die Augen heraus. Dazu kommt ein oft unterschätzter Faktor: Klimaanlagen. „Im Sommer sind wir oft bei Hitze und trockener Luft draußen unterwegs und sorgen mit Ventilatoren für Abkühlung. Auch in Innenräumen, etwa im Auto oder im Flugzeug, laufen Klimaanlagen, die die Augen spürbar belasten“, sagt Dr. Jasmin Shehata-Mayer, Fachärztin für Augenheilkunde im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf. Der Hintergrund ist der Tränenfilm, der die Augenoberfläche schützt und befeuchtet. Er besteht aus mehreren fein aufeinander abgestimmten Schichten, die nur unter stabilen Umweltbedingungen optimal funktionieren.

Augen befeuchten

Dieses Gleichgewicht kann leicht aus der Balance kommen. „Durch häufige Wechsel zwischen heißer Außenluft und stark gekühlten Innenräumen wird der Tränenfilm gestört. Er verdunstet schneller oder verteilt sich ungleichmäßig, sodass er seine schützende und befeuchtende Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen kann“, erklärt die Augenärztin. Häufige Folgen sind trockene, gereizte Augen. „Besonders empfindlich reagieren Menschen mit bereits bestehenden trockenen Augen oder Allergien sowie Personen nach Augenoperationen oder mit Kontaktlinsen.“ Was hilft? „Entscheidend ist, dass die Augenoberfläche gleichmäßig und stabil befeuchtet bleibt – nur so können die Augen dauerhaft leistungsfähig bleiben.“ Dazu empfiehlt es sich, je nach Bedarf mehrmals täglich, bei ausgeprägter Trockenheit auch stündlich, konservierungsmittelfreie Augentropfen anzuwenden, um die Augen­oberfläche schonend zu benetzen und den Tränenfilm zu stabilisieren. Da Klimaanlagen der Raumluft Feuchtigkeit entziehen, kann ein Luftbefeuchter sinnvoll sein. Er hilft, die Luftfeuchtigkeit auf ein angenehmes Niveau zu heben und so die Augenoberfläche zu entlasten.

Flüssigkeit für die Augen

Auch eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme kann trockene, gereizte oder brennende Augen begünstigen. Neben Klimaanlagen verstärken auch Wind oder Bildschirmarbeit diesen Effekt. Ausreichendes Trinken unterstützt daher indirekt die Schutzfunktion der Augen. Es ersetzt zwar keine gezielte Pflege wie Augentropfen, bildet aber eine wichtige Grundlage für ein angenehmes Sehgefühl. Im Sommer ist eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr (empfohlen werden in der Regel etwa 1,5 bis 2 Liter pro Tag, bei Hitze entsprechend mehr) besonders sinnvoll.  Besonders Kontaktlinsen können das Austrocknen der Augen zusätzlich begünstigen, da sie die Feuchtigkeit auf der Augenoberfläche schneller verdunsten lassen. Bei ersten Beschwerden rät Shehata-Mayer, die Augen frühzeitig zu befeuchten, etwa mit Hyaluronsäure-haltigen Tropfen, und die Tragezeiten der Linsen bewusst zu unterbrechen. „Ein Wechsel auf die Brille kann in solchen Phasen oft schon deutlich entlasten. Und wenn Linsen und Behälter regelmäßig getauscht und gereinigt werden, bleibt das Tragen insgesamt verträglicher.“

Draußen gut geschützt

Wenn die Sonne im Sommer ihre volle Kraft entfaltet, denken viele zuerst an Hautschutz. Aber auch unsere Augen müssen vor grellem Sonnenlicht geschützt werden. Intensive UV-Strahlen können tief in das Auge eindringen und sowohl akute Reizungen und Blendung als auch langfristige Schäden am Sehvermögen verursachen. Bei der Auswahl der Sonnenbrille steht neben dem Design vor allem der zuverlässige UV-Schutz im Fokus: Kenn zeichnungen wie das CE-Zeichen oder der Hinweis UV400 bestätigen, dass die Gläser Strahlen bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern filtern. „Menschen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, schützen ihre Augen bei längeren Touren idealerweise mit Sportsonnenbrillen mit Seitenschutz, die auch seitlich einfallendes UV-Licht abschirmen“, rät Shehata-Mayer. Auch für Pollenallergikerinnen und -allergiker ist das ein entscheidender Vorteil: Eine Sonnenbrille mit Seitenschutz kann helfen, die empfindlichen Augen vor reizenden Partikeln in der Luft zu schützen. Doch nicht nur Pollen setzen den Augen zu: Auch Feinstaub kann die sensible Augenpartie reizen, indem winzige Partikel auf die Bindehaut treffen und dort Trockenheit, Rötungen oder ein Fremdkörpergefühl auslösen. Sonnenbrillen mit seitlichem Schutz bieten hier ebenfalls einen Vorteil, da sie die Augen besser vor diesen schwebenden Partikeln abschirmen und so Irritationen vorbeugen können.

Wenn Wasser reizt

Ob im Pool oder im Meer: Auch Chlorwasser im Schwimmbad oder Salzwasser im Meer können die Augen schnell reizen, weil sie den natürlichen Tränenfilm aus dem Gleichgewicht bringen und die empfindliche Augenoberfläche austrocknen können. Eine normale Sonnenbrille ist keine Lösung, betont die Augenärztin: „Sie ist nicht wasserdicht und schützt weder vor Chlor- noch vor Salzwasser – oder generell vor Verschmutzungen im Wasser.“ Sinnvoller ist eine gutsitzende Schwimmbrille, die die Augen zuverlässig abschirmt. Je nach Modell kann diese auch über einen UV-Schutz verfügen. Kommt es nach dem Baden zu Irritationen, helfen einfache Maßnahmen: „Bei Augenreizungen sollte man die Augen sorgfältig mit sauberem Wasser ausspülen – dazu kann man auch eine sterile Kochsalzlösung verwenden, falls sie in der Reiseapotheke vorhanden ist. Ergänzend können befeuchtende Augentropfen die Augen beruhigen und für Linderung sorgen.“ Wer Linsen trägt, sollten diese herausnehmen und gründlich reinigen, empfiehlt die Augenärztin. „Bei starker Reizung kann es sinnvoll sein, auf die Brille umzusteigen und die Linsen erst wieder zu tragen, wenn die Augen vollständig reizfrei sind. Die Augen sollte man außerdem nicht reiben, da dies die Reizung meist verschlimmert.“ Bleiben die Beschwerden bestehen oder verstärken sich, ist eine augenärztliche Abklärung ratsam.


SO SCHÜTZEN SIE IHRE AUGEN IM SOMMER

  • SONNENBRILLE MIT UV-SCHUTZ
    Eine Sonnenbrille mit 100 Prozent UV-Schutz schützt die Augen vor schädlicher Strahlung und beugt langfristigen Schäden vor. Besonders bei Outdoor-Aktivitäten sowie Pollenallergie sind Modelle mit seitlichem Schutz empfehlenswert.

  • KOPFBEDECKUNG
    Hüte oder Kappen mit Schirm reduzieren direkte Sonneneinstrahlung und verringern Blendung. Dadurch wird die Belastung der Augen durch UV-Strahlen zusätzlich gesenkt. In Kombination mit
    einer Sonnenbrille ergibt sich ein wirksamer Schutz.

  • REIZUNGEN VORBEUGEN
    Wind kann Staub und Sand in die Augen tragen und Reizungen verursachen. Rötungen oder Brennen sind mögliche Folgen. Enganliegende Sonnenbrillen schützen als Barriere und helfen, Partikel fernzuhalten.

  • POLLENBELASTUNG
    Hohe Pollenkonzentrationen können die Augen reizen und allergische Reaktionen auslösen.
    Geschlossene Fenster in Zeiten intensiven Pollenflugs können die Belastung in Innenräumen verringern. Nach Aufenthalt im Freien empfiehlt sich eine sanfte Reinigung der Augenpartie.

  • AUSREICHEND BEFEUCHTEN
    Hitze und Klimaanlagen trocknen die Augen aus und können Beschwerden verstärken. Befeuchtende Augentropfen stabilisieren den Tränenfilm und lindern Reizungen. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die natürliche Befeuchtung der Augen.

  • CHLOR UND MEERWASSER
    Chlor und Salz reizen die Augen und können sie austrocknen. Eine Schwimmbrille schützt vor direktem Kontakt mit Wasser. Nach dem Baden hilft das Spülen mit klarem Wasser, um Rückstände zu entfernen.

  • KONTAKTLINSEN BEWUSST EINSETZEN
    Kontaktlinsen werden durch Hitze, Staub und Wasser stärker belastet. Beim Schwimmen oder in staubiger Umgebung steigt das Risiko für Reizungen. Sorgfältige Hygiene und ausreichende Befeuchtung sind besonders wichtig.

  • REGELMÄSSIGE ENTLASTUNG
    Intensive Sonneneinstrahlung und lange Tage belasten die Augen zusätzlich. Regelmäßige Pausen im Schatten entlasten. Der Blick in die Ferne hilft, Überanstrengung zu vermeiden und die Augen zu entspannen.


OÄ Dr. Jasmin Shehata-Mayer, Fachärztin für Augenheilkunde am Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf

„Alltägliche Unachtsamkeiten setzen den Augen zu“

Welche typischen Fehler machen viele Menschen im Sommer beim Augenschutz?

Im Sommer sind es oft alltägliche Unachtsamkeiten, die den Augen zusetzen. Häufig wird Zugluft unterschätzt – etwa durch Klimaanlagen, Ventilatoren im Büro oder offene Autofenster im Fahrtwind. Auch der UV-Schutz wird nicht immer konsequent genutzt, obwohl eine Sonnenbrille die Augen deutlich entlasten kann; wichtig ist dabei ein verlässlicher UV-Filter, den auch preisgünstigere Modelle bieten. Ebenso wird der Schutz beim Schwimmen im Pool oder Meer oft vergessen. Zusätzlich spielen zu geringe Flüssigkeitszufuhr und Pollenallergien eine Rolle, da sie die Augenoberfläche austrocknen oder reizen können.


Welche Symptome treten in diesen Fällen am häufigsten auf – und wie äußern sie sich bei Kontaktlinsenträgern?

Typisch sind gerötete, brennende oder licht-empfindliche Augen, ein trockenes Gefühl oder das Gefühl von „Sand im Auge“. Auch Juckreiz, vermehrtes Tränen oder verklebte Lider am Morgen kommen häufig vor. Das Sehen kann zeitweise verschwommen sein, besonders bei längerer Belastung. Kontaktlinsen­trägerinnen und -träger bemerken diese Beschwerden oft früher, da die Linse den Tränenfilm zusätzlich beeinflusst. Bleiben die Reizungen bestehen, kann sich die Augenoberfläche chronisch entzünden, wodurch die Kontaktlinsen zunehmend schlechter vertragen werden oder nur noch eingeschränkt tragbar sind.


Text: Jacqueline Kacetl⎪Fotos: iStock_GlobalStock, Beigestellt, Unsplash by GettyImages

 

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